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Damit fällt auch ein schwaches Licht auf die Tat
sache, daß eine Anzahl Wörter lautlich gleich geworden
sind, die trotzdem keine Begriffsverwirrung und Aussterben
des einen oder anderen herbeiführten (vgl. § 6). Zugleich
aber geht aus dem Nebeneinander der angedeuteten Kate
gorien unbestreitbar hervor, daß wir bei dem Mangel genügender
Anzeichen derartiger „Verbindungen von Vorstellungen“ für
die überwiegende Anzahl aller Fälle auf Vermutungen an
gewiesen sind. Diese sind durchaus anfechtbar, aber des
wegen nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, so
wenig etwa wie die Konjekturen bei der Textkritik. — Die
letzten Ursachen dieser wie aller Vorgänge des Sprachlebens
bleiben uns verborgen. —
Es drängt sich nun die Frage auf: Wie groß ist der
Umfang möglicher Assoziationen auf sprachlichem Gebiete?
Hierauf gibt m. E. Vossler (Sprache als Schöpfung und
Entwicklung, S. 26) die zutreffende Antwort: „Jede beliebige
Vorstellung kann mit jeder anderen beliebigen in beliebiger
Richtung assoziert werden“. — Welchen Bedingungen ein
Wort genügen muß, um hier überhaupt in Frage zu kommen,
führt Wundt a. a. 0. S. 480 weiter ans: „Je eingeübter ein
Wort ist, um so mehr ist es geneigt, bei jedem Anlaß mit
begrifflichen Elementen deutlich erfaßt zu werden. Ein
seltenes Wort dagegen wirkt zunächst nur als Lautgebilde,
nnd es bedarf einer gewissen Zeit, bis der begleitende begriff
liche Bestandteil apperzipiert wird. Mittlerweile ist aber,
wenn das an sich seltene Wort einen beweglichen Bestand
teil hat, dieser als selbständiger Begriff bereits aktuell ge
worden, und der Gesamtbegriff, der sich nur allmählich
ebenfalls aufarbeitet, findet jenen bereits vor, mit dem er
/ sich daher assoziiert. Dies kann aber natürlich nicht ge
schehen, wenn die begrifflichen Elemente beider Wörter gleich
geläufig, und wenn sie überdies zureichend voneinander
verschieden sind. Dann wird vielmehr der in dem gehörten
Wort liegende Begriff sofort herrschend und läßt den durch

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