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daran (an orthographischen Schnitzern) Schuld. Nicht selten aber 
wird er (der Schreiber) geschrieben haben, wie er sprach oder den 
Diktierenden sprechen hörte.“ . . . „Aber nicht alle Schreiber hatten 
ein strenges orthographisches Gewissen, namentlich in den Hand 
schriften vom VII. bis IX. Jahrhundert begegnet man oft eine gradexu 
wilde Orthographie.“ Ferner S. 1372: „Eine feste Orthographie für 
die im N. T. aus dem Semitischen stammenden Worte gab es natür 
lich nicht; daher geht hier die Schreibiveise in den Codd. so stark 
auseinander, dass mehrfach die von den Rezensionen selbst befolgte 
nicht mehr sicherxustellen ist.“ Ich glaube, diese Sätze genügen, 
um uns von vornherein mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass 
es unmöglich sein wird, die Orthographie der Orts- und Personen 
namen in der gotischen Überlieferung einheitlich aus dem zu Grunde 
gelegten Hss.-Material, ja nur der griechischen Überlieferung über 
haupt abzuleiten, d. h. buchstäblich. Stammen doch die meisten 
grade unserer byzantinischen Hss. aus den oben genannten Jahr 
hunderten und dazu der Codex argenteus aus Italien und aus einer 
Zeit, die durch mehrere Jahrhunderte von der Entstehungszeit der 
gotischen Übersetzung geschieden war, deren Orthographie also gewiss 
von der sprachlichen Entwicklung nicht unberührt geblieben sein wird. 
Sehr nahe liegt daher die doppelte Vermutung, dass auf diesem 
Gebiet am ehesten einmal alle byzantiuischen Hss. eine ursprüngliche 
Schreibweise verlassen haben, dass andrerseits die gotische Über 
setzung in ihrer Treue allein alte Formen bewahrt, aber auch trotz ihrer 
Treue grade lateinische Schreibgewohnheiten angenommen haben wird. 
§ 36. Griechische Namenformell. Wenn trotzdem die Mehr 
zahl der Namenschreibungen im Gotischen mit denen der byzan 
tinischen, einige sogar allein mit jenen sich decken, so ist das eine 
nicht zu unterschätzende Bestätigung alles Vorausgegangenen. Ich 
habe absichtlich diese Fälle in meiner ersten Liste der Überein 
stimmungen zwischen dem griechisch-byzantinischen und dem gotischen 
Text nicht mit ' angeführt, um sie nicht aus dem Zusammenhang, 
in den sie von allem übrigen unterschieden gehören, herauszureissen, 
gebe daher zuerst eine Auswahl derjenigen Namen, deren Schreibung 
byzantinische bezw. griechische Herkunft verrät. 
I. Lukan: Aoöxav (Überschrift) 
3. Ihiiaufeilu: OsöcptXs 
5. Herodes: 'Hpwooo, vgl. Bernh. Anm. 
Judaias: ’loooatoc?, do. v. 65; II, 4; III, 1 etc.
	        

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