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sei, die sich sklavisch an die griechische Vorlage halte, 
Wort für Wort wiedergäbe und darüber die Eigenart der 
eignen Muttersprache ganz in den Hintergrund dränge, oder 
ob sie die volle Eigenart der gotischen Sprache habe zur 
Geltung kommen lassen. Man vergleiche zur Geschichte 
dieser letzten Frage die ausführlichen Zusammenstellungen 
von A. Koppitz: „Zeitschrift für deutsche Philologie“ 32, 
433 if. und H. Stolzenburg: in derselben Zeitschrift 
37, 145 ff. 1 ) 
Nun haben in neuerer und neuester Zeit die theologischen 
Bibelkritiker besonders in der Hinsicht eifrig gearbeitet, dass sie die 
in den einzelnen alten Kirchenprovinzen geltenden Bibelrecensionen 
unter besonderer Berücksichtigung auch der jüngeren Handschriften 
und der Kirchenväter durch Vergleichung und Rekonstruktion zu 
bestimmen suchten. Dabei wurden unter Führung von Lagarde 
bedeutende Resultate erzielt. 2 ) Kauffmann hat es dann unter 
nommen, das Quellenproblem der gotischen Bibelübersetzung einer 
l ) Sievers sagte in Pauls Grundriss II, 69 ff.: „Die Grundlage der 
(gotischen) Übersetzung bildet im allgemeinen der griechische Bibeltext, 
und zwar für das „Alte Testament die durch die Ess. 19, 82, 93, 108 Holmes 
vertretene Becension der Septuaginta, für das Neue ein Text, der in der Mitte 
xicischen den asiatischen, alexandrinischen und italischen Texten stand. Daneben 
macht sich ein beträchtlicher Einfluss der Itala bemerkbar, der richtiger mit 
Marold auf prinzipielle Berücksichtigung dieses Textes durch den Übersetzer 
als mit anderen teils auf ursprüngliche Verwandtschaft des benutzten griechischen 
Textes mit der Itala, teils auf spätere Interpolationen italischer Kritiker zurück 
zuführen ist. Solche Interpolationen- sind jedenfalls nur in ganz vereinzelten 
Fällen anzunehmen.“ In starkem Kontrast zu diesen Worten standen die Gre 
gorys in seinen Proll. S. 1108: „Usus est Ulfilas textu Graeco, maxima 
ex parte Antiocheno, cum multis lectionibus Occidentalibus nonnullis antiquis 
non occidentalibus. Sermonem Graecum pressius secutus est; vocabula Latina 
saepe adhibuit, interdum Graeca. Ordo Evangeliorum in codice uno quem 
habemus occidentalis est et ex hac re pariter atque ex lectionibus et interpolationibus 
aliquibus concluserunt viri nonnulli docti hanc versionem saeculo quinto vel 
postea cum Gothi in Italia atque in Hispania degerent, ad normam versionis 
veteris Latinae eiusque recensionis Italicae emendatam esse. At fieri potest, ut 
similitudo illa inde fluxerit, quod et Ulfilas et emendatores Uli codicibus Graecis 
textui Italico similibus usi sint“. 
®) Über die Entwicklung dieser theologischen Arbeit und die zugehörige 
Literatur vgl. u. a. A. Jülicher: „Grundriss der Einleitung in das Neue 
Testament“ und zuletzt H. v. Soden in seinem unten citierten Werk (S. 7) 
I, 1, 1-13.
	        

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