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Lektionarien wird sich in den häufigsten Fällen nicht auf dem Wege
direkter Übertragung, sondern gedächtnismässiger Citation nach den
im Gottesdienst verlesenen Lektionen geltend gemacht haben. Folgende
Fälle kommen für das Lucas-Evang. in Betracht:
II, 37. blotande Fraujan: Xaxpsuooaa
VI, 12. usiddja Jesus: i^XDsv
VII, 13. # Frauja Jesus . . . qaj): 6 xopto? . . . stitsv
VIII, 46. Jjaruh is qa{>: 6 os Tr^ou; sLtev, vgl. D (S. 40)
50.* if) is gahausjands andhof: 6 os Tr ( 3oös axousa? airsxpifirj
XIV, 16. [>aruh qaj) imma Frauja: 6 Ss eTitev adtm
XX, 23.* Jesus qaj) du im: siwev wpö? adxou?
Zu IX, 43 vergleiche man genaueres S. 60 ff. x )
§ 19. Durcheinaudergehende Paralleleinwirkungeu. Ein
zelne Beispiele der letzten drei kleinen Abteilungen könnte man auch
auf den direkten Einfluss von Parallelen zurückführen; jedenfalls
finden sich mehrfach genaue Entsprechungen wie z. B. Luc. VII, 9
sehr deutlich in Math. VIII, 10. Doch genügt schon das Motiv der
Formelhaftigkeit zur Erklärung. Dazu kann man für die letzte Ab
teilung vielleicht noch hinzunehmen, dass ein Autor bezw. Schreiber
das Bedürfnis empfand, eine Stelle, die ihm für den Leser zu Miss
verständnissen Anlass zu bieten schien, durch Hinzufügung oder
Wiederholung eines Namens aus dem Zusammenhang oder aus einer
ähnlichen Stelle zu ergänzen. Wir dürfen auf dieses Motiv noch einige
weitere Abweichungen des gotischen Textes zurückführen und ich ver
einige alle, wie mir scheint, so entstandenen Lesarten unter einer Gruppe,
deren Überschrift ein von v. Soden recht glücklich gewählter Ausdruck
„durcheinandergehende Paralleleimvirhungen“ bilden möge, obwohl
in seinem Werk diese Bezeichnung auf alle in obigen Listen — ab
gesehen von der der Formwörter — zusammengestellten Formen von
Varianten angewandt wird 2 ).
Zum Beweise, dass wir mit solchen Variantenbildungen rechnen
9 ln Kapitel VIII, 50 setzt Bernhardt mit G. L. aber gegen Uppström
Jesus einfach in den gotischen Text. Ich halte cs zwar nicht für ausgeschlossen,
dass einzelne Schwankungen bei dem Namen Jesus auch auf Versehen der
gotischen Schreiber zurückzuführen sind wegen der Ähnlichkeit der abgekürzten
Schreibung dieses Namens mit is; aber sicher auszumachen ist das kaum. Daher
dürfen wir die Lesart des Codex argenteus nicht ohne weiteres ändern, auch
wenn alle sonstige Überlieferung anders urteilt.
2 ) Vgl. v. Soden I, 2, 1430 ff.

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