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meine Beobachtungen. Die'erste ist die, um es mit Kaufmanns
Worten, denen auch Stolzenburg zustimmt 1 ), zu sagen, dass „für
jede Bibel-Hs. ein gewisser Spielraum gelassen werden muss im Ge
brauch der Formwörter (Artikel, Pronomina, Partikeln) und dass
es unmöglich ist, eine feste Richtschnur des Usus xu finden.“ Diese
Freiheit muss sowohl für die griechischen Hss. der byzantinischen
Rezension und ihre Quellen überhaupt wie spez. der Quelle des Goten,
ja für die gotische Übersetzung selbst und deren verschiedene Ent
wicklungsstadien zugestanden werden. Lässt sich doch grade bei dem
Goten auch sonst eine gewisse Tendenz erkennen, mit synonymen
Ausdrücken zu wechseln * 2 ). Als charakteristische Beispiele dieser Art
vgl. in der folgenden Liste Luc. VI, 23 u. 26; IX, 19; XIV, 11 u. 35;
XVII, 34. Die zweite Beobachtung ist die, dass manche Worte
oder Formen in bestimmten Redewendungen fest werden
und so je nach Eigenart eines Autors oder Schreibers infolge
assoziativer Gedächniswirkungen in ähnlichem Zusammen
hänge an die Stelle des Textes der Quelle treten. Dass dies Motiv
auch bei der Wahl der Formwörter wirksam gewesen ist, beweisen
einzelne Parallelstellen, die ich verglichen und neben der Ab
weichung in der Liste bezeichnet habe. Natürlich darf dies nur
geschehen, wenn der ganze Zusammenhang der Stelle den Charakter
eines Citates trägt, vor allem z. B. bei Aussprüchen Jesu. Das beweist
ferner deutlich die kleine Liste von Einführungsformeln neuer
Erzählungsabschnitte, die ich am Schlüsse der ersten Liste noch
einmal zur Verdeutlichung dieses Moments zusammengestellt habe.
Bei der anerkannten Treue Wulfilas im Ganzen seiner Übersetzung
ist wohl die Mehrzahl der Abweichungen und deren Ursachen dem
Verfasser der griechischen Originalquelle gutzuschreiben 3 ).
*) Zcitschr. f. d. Phil. 31, 187 und 37, 183.
2 ) Vgl. unten § 22 und Stolzenburg in der genannten Zeitschrift Bd. 37,
376 ff.
®) Ich habe es nicht für nötig gehalten, die Abweichungen unter den Forin-
wörtern noch wieder nach ihren vermutlichen Spezialursachen zu gruppieren,
weil wir doch über Vermutungen meist nicht hinauskämen und weil v. Soden in
seinem Werk I, 2 besonders S. 1400 ff. hierüber gesagt hat, was überhaupt
darüber, zu sagen, möglich ist. Schwankungen in Bezug auf den Artikel sind zu
bekannt, so dass ich für sie nur auf die Ausführungen Stolzenburgs: Zcitschr. f.
d. Phil. 37, 184 und auf die von ihm angeführte Literatur verweisen darf. Nur
die auffälligeren wenigen Fälle, wo der Artikel im Gotischen gegen das Griechische
hinzugefügt ist, habe ich mit aufgenommen. Ebenfalls verweise ich bezgl. der

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