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Daraus aber folgt wieder, dass wir den Einfluss dieser Textform, wie
er besonders durch den Cod. f oder seine TJrform auf die sonstige
Überlieferung in Italien vermittelt wurde, nicht gering einschätzen
dürfen. Ja wir brauchen mit der Vermutung nicht zurückzuhalten,
dass die Übereinstimmung besonders der oberitalienischen Itala-Vul-
gata-Hss. mit f und dem Cod. arg., statt sie nur auf Rechnung einer
ursprünglichen Verwandtschaft der griechischen Quellen oder des
Zufalls zu setzen, z. T. aus direktem Einfluss der gotischen Lesarten
erklärt werden dürfe, natürlich soweit jene Hss. jünger sind.
§ 54. Quelle der lateinischen Lesarten. Dies ist zu be
denken, wenn wir die Frage noch kurz streifen, woher die lateinischen
Einflüsse auf den gotischen Text stammen. Die Antwort kann nur
aus dem Einschlag der Varianten abgeleitet werden. Von vornherein
weisen uns die örtlichen Verhältnisse, aus denen der Cod. arg. und der
Brixianus hervorgegangen sind, auf Oberitalien und die dort geltenden
Recensionen. Nun kann die oberitalienische Vulgata-Recension wegen
der zeitlichen Verhältnisse — nach Bernhardt ist die Vg. erst seit
Gregor dem Grossen zur allgemeinen Anerkennung gelangt — und
wegen des Protestes, den die gotischen Gelehrten gegen die Vulgata
des Hieronymus und seine textkritische Methode erhoben, schwerlich
in Frage kommen, trotz der Überarbeitung des Textes von f nach
jener Version. Für diesen Text waren die Verhältnisse ganz andere.
Die lateinischen Lesarten des Cod. argenteus, die hier als solche ge
kennzeichnet sind, weisen nicht auf die Vulgata. Vielmehr
kommt vor allem der Itala-Text q (Codex Monacensis) in
Betracht, der von jeher neben f zur Vergleichung des gotischen
und lateinischen Textes herangezogen wurde. Dieser Codex ist etwa
ein Jahrhundert jünger als der Cod. arg. und Brixianus. Also kann
er gewiss nicht als reiner und einziger Vertreter 5er Version
angesehen werden, nach der der gotische Text verändert wurde. Ich
erinnere an die Stellen meiner Liste von lateinischen Lesarten im
Cod. arg., in denen überhaupt keine Parallele zu finden war. Dass
trotzdem der durch q vertretene Texttyp die Grundlage der
Glossierung oder Überarbeitung des Cod. arg. war, beweisen die Les
arten selbst, von denen die Mehrzahl in q vertreten ist, nämlich:
anastodeip in der Überschrift; Luc. I, 3. 29ab. G3; II, 2. 4. 22;
IV, 7. 41; VIII, 1; XV, 31; XX, 37; dazu: II, 8. 14; XIV, 28.
Genauer bedeutet das: An allen Stellen, wo lateinischer Einfluss
ganz sicher ist, findet sich dieselbe Lesart in q; an denen, wo

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