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schrift genommen wurde, die den lateinischen und gotischen Text
nebeneinander enthielt, und in die einige lateinische Lesarten auf
genommen wurden. Da es sich z. T. um Glossen handelt, die gewiss
erst am Rande der Hs. gestanden haben, aber doch einen anderen
Charakter zeigen als die Uulpres des ursprünglichen Goticolatinus,
so werden wir sogar mehrere, mindestens zwei Abschriften
des Doppeltextes annehmen müssen: eine solche, in der der la
teinische Wortlaut einzelner Stellen zum Vergleich an den Rand
gesetzt wurde und eine 2., in der der Vergleichstext ex margine in
beide Texte gemeinsam aufgenommen wurde. Dann aber beginnt
eine zweite Pintwicklung, in der beide Texte getrennt ab
geschrieben wurden und dann je für sich weitere Ver
änderungen erlitten. Der gotische nahm weitere lateinische
Elemente in sich auf — die Sonderstellung der 10 ersten epp. des
Lucas wie dieses ganzen Evangeliums, wieder im Gegensatz zu den
übrigen unveränderten Evv., lässt sich nur daraus erklären — bis
endlich der Codex argenteus, wie er uns vorliegt, aus ver
schiedenen, wahrscheinlich Hss.-Bruchstücken zusammengestellt
wurde. Wahrscheinlich ist, dass sein Verfasser den Text schon in
der Gestalt vorgefunden hat, wie er sie heute zeigt, ohne eigene
Zutaten zu geben, da der Zweck dieses Werkes als Prachtausgabe
den Verfasser das Hauptgewicht wird auf die äussere Ausstattung
haben legen lassen, wogegen kritische Plrwägungen in den Hinter
grund treten mussten. Der lateinische Text des älteren
Goticolatinus wurde später nach der Vulgata bearbeitet,
ob auch seinerseits in mehreren Entwicklungsstadien bis zur jetzigen
Gestalt von f, ist kaum zu bestimmen. Wenn die Hs. G wirklich
gotische Einflüsse in sich birgt, könnte sie als eine Stütze auch für
diese Vermutung gelten. Diese Darstellung erfährt eine Bestätigung
durch die vorhandenen übrigen gotischen Textüberlieferungen in den
Codices Ambrosiani A und B und dem Codex Carolinus,
ja auch dem Cod. Vindobonensis, die alle Entwicklungsstufen
der gotischen Übersetzung repräsentieren. 1 ) Daraus folgt, dass die
Verbreitung der gotischen Bibel in Italien nicht so dürftig gewesen
ist, wie die uns erhaltenen Fragmente es vermuten lassen könnten.
J ) z. T. wie der Cod. Ambrosianus B eine ältere, z. T. wie der Codex
Ambrosianus A eine jüngere; und die alle nur Teile der gotischen Bibel ent
halten. Vgl. Marold: Germania '/(, ff.; Bernhardt: Kritische Untersuchungen,
endlich Kauffmann: Zeitschr. für d. Phil. 35, 433 ff.

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