136
Scheidung ermöglichen, aufgenommen sind. Das sind alle diejenigen,
die offensichtlich Doppelübersetzungen für einen griechischen Ausdruck
bieten, und diejenigen, bei denen f im Gegensatz zur Vg. und zum
gotischen Text, eine kürzere und darum ursprünglichere Fassung in
Übereinstimmung mit den byzantinischen Hss. enthält.
§ 52. Die Sonderstellung des Lucas-Evangeliums. Was
sagen uns nun diese Eindringlinge aus lateinischen Ver
sionen im gotischen Text? Zunächst das, dass es nicht
genügt, die Uulfires der Kritiker Sunja und Frijnla allein
als Erklärung heranzuziehen, wenn auch grade die im Lucas
des Cod. arg. besonders grosse Zahl der am Rande befindlichen
Glossen davor warnt, ihren Einfluss zu unterschätzen. Es muss
also eine spätere anders geartete Glossierung bezw. Über
arbeitung des ursprünglichen Textes angenommen werden.
Denn eine ursprüngliche Heranziehung lateinischer Versionen von
seiten Wulfilas kann nicht mehr in Betracht kommen. Die Zahl der
lateinischen Lesarten ist viel zu gering. Nun ist beachtenswert, was
Gabelentz-Löbe über die verschiedenen in margine erhaltenen
Glossen des Cod. arg. behaupten und Uppström gegenüber aufrecht
erhalten (vgl. Proll. p. XXXII): „Praeterea lectiones variae et glossae,
diversissima ratione scriptae, aliae enim pereleganter, aliae male
pictae, aliae ut literarum dnctum et colorem inscriptionum illarum
aequiparent; aliae splendorcm argenteum scrvarunt, aliamm color
adeo nigruit, ut an unquam argenteus fuerit, cognosci vix possit;
alia etiam additamenta atramento et sermone lalino aeiate recentiore
scripta inveniuntur etc.“ Fast alle angeführten Beispiele stammen
aus dem Lucas-Evangelium. Wenn das der Fall ist, dann lässt
schon diese mehrfache Glossierung des Textes einen, wenn auch
schwachen Rückschluss auf ebenso mannigfaltige Veränderungen in
der Vorgeschichte des Cod. arg. zu.
Das gleiche würde zu gelten haben betr. der Unterscheidung
Marolds 1 ) von Glossen, die reine Synonyma für im Text stehende
Lesarten seien, und solchen, die eine wirkliche Veränderung in der
Textgestalt und Materie zeigen, zu welch letzteren er Luc. XI, 34,
ev. auch Luc. HI, 14; VI, 40 zählt. Wiederum nur Beispiele aus
dem Lucas-Evangelium! Doch scheint mir die Ansicht Marolds über
Luc. XI, 34 und damit überhaupt die Trennung dieser Glosse: jah
*) Vgl. Germania 26, 141 f.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.