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spätere Vertauschung mit jener Form stattgefunden hat, während wir
in f auf einen Rest ursprünglicher gotischer Lesart schliessen müssen.
IV, 7. mik in andwairpja meinamma: me: coram me (f == G)
vgl. S. 123 und oben zu I, 61. Nach Ausscheidung des mit mik
synonymen in andwairpja meinamma, das als Glosse im Cod. arg.
eingedrungen ist, decken sich beide Hss. völlig. Übrigens steht in
der Parallelstelle Math. IV, 9, in den griechischen Texten überall
nur [ioi hinter irpoaxovr ( a£t; (-aifis), was als eine indirekte Bestätigung
für meine Erklärung angesehen werden kann.
IV, 41. silban Xristu ina wisan: eum Christum esse: ipsum
esse Christum. Beide Hss. stehen allein! Die gotische Lesart lässt
sich aus f unmöglich ableiten, stimmt dagegen bis auf silban mit f
und der griechischen Überlieferung überein, d. h. bis auf die Wort
stellung in f, wenn man eum auf gotisch ina bezieht. Die Änderung
der Wortstellung ist aber in diesem Codex nicht auffällig. Das
gotische silban ist sowohl wegen seiner Stellung als wegen ina eine
überflüssige Glosse, die aus der Itala Oberitaliens, wie q nahelegt,
eingedrungen sein wird.
VIII, 2. qinons: mulieres quaedam: mulieres aliquae. Auch
hier kann — mehr wage ich bei der Bedeutungslosigkeit der Variante
nicht zu sagen — der Cod. f das Ursprüngliche bewahrt haben, da
im griechischen Text allgemein xivs? steht und eine so leichte Aus
lassung im Gotischen in späterer Zeit leicht zu verstehen ist.
IX, 43. ij) Jesus: at ille: fehlt. Hierzu vergleiche S. 60 ff. 1 ).
*) Ich zweifle nicht, dass sich die Zahl dieser vom gotischen Text ab
weichenden und demnach ursprünglich gotischen Lesarien noch uin einige
weitere Beispiele vermehren liesso, zumal aus der Reibe derjenigen, die als mit
der Vulgata übereinstimmend hier unberücksichtigt geblieben sind; freilich
können nur solche dafür in Betracht kommen, in denen der Text der Vulgata
eine kürzere Fassung zeigt. Das dürfen wir aber mit Sicherheit behaupten, dass
die Gesamtzahl sehr gering ist und bleibt, da es sich auch bei jenen Lesarten,
wo f mit der Vulgata geht, durchweg um Texterweiterungen oder -Veränderungen,
selten um Kürzungen handelt. Und bei keiner derartigen Lesart kann die Er
klärung mehr als einen Grad von Wahrscheinlichkeit beanspruchen. Die oben
aufgezählten Beispiele genügen jedoch völlig, um die Tatsache sicherzustellen,
dass wir im gotischen Text, wie er uns vorliegt, für das Luc.-Evang. mit ge
ringen lateinischen Einflüssen rechnen müssen und dass andrerseits f vom gotischen
Text abhängig ist.

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