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gelium. Die Tatsachen bestätigen sich gegenseitig. Denn indem
die Lesarten, die G mit f gegen Cod. arg. teilt, nach dem Sacli-
befund der übrigen Evv. auf die oberitalienische Rezension
der Vg., vertreten durch die Hss. DELQRJ hinweisen, giebt G in
jenem Zusammenhang eine hinreichende Beleuchtung für den Ur
sprung vieler offensichtlich den Charakter späterer Bearbeitung an
sich tragenden Lesarten in f. Wir dürfen demnach mit Wahrschein
lichkeit einen grossen Teil der Lesarten in obigen Listen streichen,
so dass die Zahl der ungeklärten Lesarten von f immer mehr zu
sammenschmilzt. Der Beweis dafür, dass G solche Bedeutung bei
zumessen ist, wird noch verstärkt durch die Beobachtung, dass
G ebenso oft, wie die Hss. mit f geht, ja vielleicht noch häufiger
mit der oberitalienischen Itala-Recension, die durch die
Hs. q hauptsächlich vertreten wird, zusammengeht. Beide
Beziehungen weisen also auf Oberitalien, sodass G ein Misch
text sein dürfte aus den verschiedenen Versionen des Evangelien-
Textes, die in dem Gebiet umliefen, in dem auch der gotische Text
seinen Einfluss geltend gemacht hat. Daher ist die Möglichkeit
nicht ausgeschlossen, dass bei der aparten Stellung, die G einnimmt,
sogar Reste gotischen Einflusses in dieser Hs. über f hinweg erhalten
sind. Vgl. ganz besonders das Beispiel von Luc. I, 29, wo f und
G und der Cod. argent. allein mit einem aus lateinischen und
griechisch(-gotischen) Elementen gemischten Text dastehen, G aber
durch die Einfügung eines et späterer Anpassung der Elemente ver
dächtig erscheint.
§ 50. Lesarten, die dem Cod. argenteus verloren gegangen
sind. Ich kehre nach diesen Bemerkungen zur Untersuchung einiger
Lesarten in f zurück, die wichtig sind, weil sie nicht mit der Vg.
aber auch nicht mit der uns vorliegenden Gestalt des gotischen Textes
übereinstimmen, wohl aber mit den griechischen, d. h. spez. den by
zantinischen Hss., während die Fassung des Cod. arg. offenbar auf
nachträgliche Änderung nach lateinischen Texten zurückgeht:
I, 29. bi innatgahtai: in verbo: in sermone (got. = G a b ffa 1 q e r).
Hier versagt zunächst die von Bernhardt beliebte Methode, mög
lichst alle im gotischen Text nicht aus dem Griechischen zu er
klärenden Lesarten auf f zurückzuführen, gänzlich. Nun hebt sich
f doch wieder von der Vulgata durch den Unterschied von verbo-
sermone genügend ab, um ihr gegenüber als selbständig erklärt
werden zu können, noch mehr hebt sich f von der Itala, spez. von q,

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