114
Sprache, die seinen Verfasser kennzeichnet, ist in sich selbst eine
Widerlegung der Vermutung, dass eine so vereinzelt dastehende Hs.
die Grundlage und das Hauptmaterial abgegeben habe einerseits für
die Herstellung einer ganz neuen kritischen Bibelrecension, wie es
die Vg zu sein behauptet und ist, andrerseits für eine Überarbeitung
der gotischen Übersetzung, die zur Vulgata oder einem ihr ver
wandten Text gar keine Beziehungen aufweist.
Was nun die folgende Liste betrifft, so gebe ich ohne weiteres
zu, dass sie an Umfang nicht ganz so unbedeutend ist, wie die bei
den anderen bisher untersuchten Evv. Der Grund dürfte dafür,
prinzipiell gefasst, vor allem in der Beobachtung zu suchen sein, die
sich mir immer wieder aufgedrängt hat, dass in der Gesamt
überlieferung der evangelischen Berichte grade das
Lucus-Evang. am allermeisten Veränderungen, vor allem
nach Parallelstellen ausgesetzt gewesen ist. Das beweist
ein Blick auf den relativ grösseren Umfang der Varianten apparate
zum Lucas bei Tischendorf und Wordsworth-White. Das beweisen
auch zur Genüge die zahlreichen Sonderlesarten, die. das gotische
Lucas-Evangelium ganz allein hat. Der Grund dafür ist ebenfalls
klar erkennbar. Es liegt in dem Satz v. Sodens (I, 2 S. 1424):
„Findet sich die in Lc. Mrc. Joh. konkurrierende Parallelstelle in
Mt., so wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Parullcl-
einwirkung handelt, da der Text des Mt. als des Hauptevangeliums
stets der massgebende war.“ Also ist es kein Wunder, dass das
Math.-Evang. verhältnismässig fest blieb. Für Joh. aber war eine
so umfangreiche Paralleleinwirkung wie bei Lucas deshalb aus
geschlossen, weil es einen absolut abweichenden Charakter in seiner
Geschichtsüberlieferung aufweist und überhaupt nur ganz wenige Er
zählungsabschnitte mit den andern Evv. gemeinsam hat.
Wenn dieses festgehalten wird, kann die folgende Liste an dem
aus den ersten Listen hervorgehenden Kesultate nichts mehr ändern,
da dann auch ein grösserer Spielraum für selbständige Änderungen
des späteren Überarbeiters der Grundlage von f zugestanden werden
muss. Das verdeutlicht eine grössere Anzahl von Lesarten, die eben
der Cod. f allein hat, die also von vornherein bei der zu behandelnden
Frage, welcher der beiden Texte vom anderen abhängig sei, aus-
scheiden müssen. Es kommt hinzu, dass, da die gleiche Voraussetzung
für die Vg-Recension gilt, nach der f bearbeitet ist, sowie für jede
einzelne Hs. derselben Recension (spez. für die Originalquelle der

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.