Full text: Die Technik der Gestaltendarstellung in den Novellen Theodor Storms

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Aktion treten läßt, ln der dichterischen Praxis mischen 
sich beide Arten. Ihre richtige Anwendung ist außer vom 
künstlerischen Takt und Stilgefühl des Dichters abhängig 
vom Zusammenhang: an Ruhepunkten der Darstellung wo 
sich das ganze Interesse des Lesers auf eine Gestalt sammelt, 
wird der Dichter Gelegenheit haben, uns ein ausführliches 
Bild zu entwerfen, ohne mangelnde Aufmerksamkeit des vor 
wärtsdrängenden Lesers befürchten zu müssen. Freilich kann 
er bei dieser verweilenden Art leicht in die gefährliche Nach 
barschaft der Malerei geraten, sobald sich nämlich das Objekt 
in Ruhe befindet, aber er bewegt sich auf seinem eigensten 
Gebiete, sobald er das Simultane in Bewegung oder Handlung 
auflöst oder wenn er in dem vorübereilenden Fluß der 
Darstellung diese oder jene anschauliche Einzelheit des 
Gestaltenbildes nur flüchtig hervortreten läßt. Würde in 
letzterem Falle aber kraft der ergänzenden Tätigkeit unserer 
Phantasie wie auf Anruf die ganze Gestalt vor unserem 
inneren Auge erscheinen, so wäre das ein großer Nachteil, 
da hierdurch der eigentliche Zweck der Hervorhebung: die 
energische Hinlenkung der Aufmerksamtkeit auf einen im 
Zusammenhang wichtigen Zug, jiie Konzentrierung des 
Blickes auf einen Punkt vereitelt würde. 
Ein feines Empfinden bewahrte Storm stets vor jenem 
malenden Verfahren, das eine endlose Menge kleiner Einzel 
heiten vergebens zu einem Bilde zu summieren versucht 
und das schon Lessing mit scharfer Waffe bekämpfte. Es 
findet sich keine einzige Stelle in seinen Novellen, die 
den Vorwurf toter Schilderung rechtfertigen könnte. Seine 
künstlerische Sicherheit wußte stets diejenigen Züge des 
Gestaltenbildes zu treffen, denen die stärkste verlebendigende 
Kraft innewohnt. „Der Dichter soll nie vergessen, daß er 
nicht fürs innere Auge arbeitet, und daß er uns ein Wahr 
nehmungsbild des Ganzen nie schaffen kann, selbst nicht 
durch das minutiöseste Malen. Auch da wo er uns zeigen 
will, wie eine Eigentümlichkeit von einem Körper Besitz
	        

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