94
Aktion treten läßt, ln der dichterischen Praxis mischen
sich beide Arten. Ihre richtige Anwendung ist außer vom
künstlerischen Takt und Stilgefühl des Dichters abhängig
vom Zusammenhang: an Ruhepunkten der Darstellung wo
sich das ganze Interesse des Lesers auf eine Gestalt sammelt,
wird der Dichter Gelegenheit haben, uns ein ausführliches
Bild zu entwerfen, ohne mangelnde Aufmerksamkeit des vor
wärtsdrängenden Lesers befürchten zu müssen. Freilich kann
er bei dieser verweilenden Art leicht in die gefährliche Nach
barschaft der Malerei geraten, sobald sich nämlich das Objekt
in Ruhe befindet, aber er bewegt sich auf seinem eigensten
Gebiete, sobald er das Simultane in Bewegung oder Handlung
auflöst oder wenn er in dem vorübereilenden Fluß der
Darstellung diese oder jene anschauliche Einzelheit des
Gestaltenbildes nur flüchtig hervortreten läßt. Würde in
letzterem Falle aber kraft der ergänzenden Tätigkeit unserer
Phantasie wie auf Anruf die ganze Gestalt vor unserem
inneren Auge erscheinen, so wäre das ein großer Nachteil,
da hierdurch der eigentliche Zweck der Hervorhebung: die
energische Hinlenkung der Aufmerksamtkeit auf einen im
Zusammenhang wichtigen Zug, jiie Konzentrierung des
Blickes auf einen Punkt vereitelt würde.
Ein feines Empfinden bewahrte Storm stets vor jenem
malenden Verfahren, das eine endlose Menge kleiner Einzel
heiten vergebens zu einem Bilde zu summieren versucht
und das schon Lessing mit scharfer Waffe bekämpfte. Es
findet sich keine einzige Stelle in seinen Novellen, die
den Vorwurf toter Schilderung rechtfertigen könnte. Seine
künstlerische Sicherheit wußte stets diejenigen Züge des
Gestaltenbildes zu treffen, denen die stärkste verlebendigende
Kraft innewohnt. „Der Dichter soll nie vergessen, daß er
nicht fürs innere Auge arbeitet, und daß er uns ein Wahr
nehmungsbild des Ganzen nie schaffen kann, selbst nicht
durch das minutiöseste Malen. Auch da wo er uns zeigen
will, wie eine Eigentümlichkeit von einem Körper Besitz

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.