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Aus alledem ergibt sich schon, daß Storni kraft seiner
Kunst das Sinnliche zu lebendiger Wirkung zu bringen,
auch keine Ängstlichkeit kennt, ob er von außen nach innen,
oder von innen nach außen darstellen solle. Eine abstrakte
Forderung, wie die erwähnte, scheitert schon an der Fülle
technischer Möglichkeiten, in denen das dichterische Stück
Leben an uns vorübergeführt werden kann. Hierbei fallen
die Accente bald auf Sinnliches, bald auf Seelisches, je
nach der Situation. Ich verweise z. B. auf die in der bei
Storm beliebten Erinnerungstechnik gehaltenen Novellen,
in denen er die verschwebenden Gestalten der Vergangenheit
zuerst in den Umrissen ihres äußeren Bildes heraufbeschwört
[„A. d. St.“; „I. St. J.“; „A. d. U.“]; oder wo er dem ein
geführten Erzähler die im Mittelpunkt des Interesses stehen
den Personen erstmalig vor Augen treten läßt [ n Sp. R.“;
„V. J. d. M.“; „E. M.“]; oder wo der Dichter in der Ich-Technik
erzählend ihrer zum ersten Male ansichtig wird. [„E. Hf.“;
„Dr. i. H.“]. — Mit der Darstellung der körperlichen Seite
seiner Gestalten setzt der Dichter außerdem ein in den
Novellen: „Ver.“; „Dr. a. M.“; „W. d. Ä. r. s.“; „B. V. Chr.“;
„1. Schl.“; „U. d. T.“; „Ang.“; „I. So.“.
So läßt sich in der Novellistik Storm s kein theore
tisches Prinzip für die Succession seelischer und sinnlicher
Lebensäußerungen erkennen, es sei denn das Gesetz eines
lebensvollen Stils, der mit sinnlichen Elementen durchsättigt
ist und in persönlicher Prägung seinen höchsten Reiz sucht.
Abgesehen von dem Verhältnis der sinnlichen und
seelischen Data innerhalb des poetischen Kunstwerks kann
nun die Verteilung und Gruppierung der sinnlichen Züge
verschieden ausfallen. Der Dichter kann entweder an einem
Punkte der Darstellung eine geringere oder größere Anzahl
von Einzelzügen zu einer Einheit kombinieren und ein um
fassenderes Bild herausmeißeln oder aber er kann die ein
zelnen Züge über die Darstellung verstreuen, indem er sie
erst bei notwendiger Gelegenheit hervorkehren oder in

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