Full text: Die Technik der Gestaltendarstellung in den Novellen Theodor Storms

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mit hineingezogen erscheint. Im entscheidenden Falle ist 
unter allen Umständen der künstlerischen Praxis eines großen 
Dichters mehr Gewicht beizulegen, als einer abstrakten 
Theorie. Ich bin nicht der Ansicht, daß wir auf Grund 
der Zeugnisse, die uns über die Art dichterischen Schaffens 
vorliegen, berechtigt sind, eine Bewußtheit künstlerischen 
Gestaltens bis ins kleinste anzunehmen, ich kann nicht 
glauben, daß der Dichter bei der Wiedergabe eines jeden 
sinnlichen Zuges sich zuvor die Frage vorlegt, ob dieser 
auch ein Seelisches zum Ausdruck bringe, sondern ich 
glaube dies allein abhängig von dem Stilgefühl und der 
Kraft der Gegenständlichkeit, mit der das Sinnliche auf die 
Phantasie des Dichters wirkt. Daraus folgt, daß auch das 
Körperliche, sofern es nicht nur unmittelbar der Spiegelung 
seelischer Qualitäten dient, in seinem rein sinnlichen Charak 
ter des Reizes genug bieten kann, um als wesentlicher Faktor 
des Gesamtbildes, unter der Voraussetzung künstlerischen 
Feingefühls auf Seiten des Dichters, seine Existenzbe 
rechtigung in der Poesie zu haben. So weiß auch Stör ms 
feines ästhetisches Gewissen in diesem Punkte nichts von 
theoretischer Beschränkung, ohne daß seine Schilderungen 
den Eindruck des Leblosen hervorriefen. Damit soll natürlich 
nicht geleugnet werden, daß es bei Storm eine große An 
zahl von Darstellungen sinnlicher Einzelheiten gibt, die eine 
seelische Eigenschaft spiegeln, oder zu ihr Beziehung haben 
und dadurch erhöhte Lebendigkeit gewinnen. 
Was des weiteren das Moment der „Erleichterung“ 
der Darstellung angeht, so halte ich das für einen dem 
Wesen künstlerischer Darstellung nicht entsprechenden Ge 
sichtspunkt und glaube ihn im besonderen Storm gegen 
über mit eine Hinweis auf die frohe und mühelose Meister 
schaft der Darstellung des Sinnlichen abtun zu können. 
Eine anschauungskräftige Phantasie hat in der Dichtung 
Storms mit der Fülle sinnlicher Einzelheiten ihr freudiges 
Spiel und willig folgt ihr eine meisterliche Sprachkunst.
	        

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