Full text: Die Technik der Gestaltendarstellung in den Novellen Theodor Storms

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Tag gelegt und betätigt hat, in ihrer Körpererscheinung 
ausprägen. Dadurch verschafft er sich nicht bloß die Er 
leichterung, daß er das Äußere vielmehr nur andeutend 
wiedergeben darf als bei einem anderen Verfahren, ohne 
verschwommen zu scheinen, sondern er gewinnt auch er- 
erhöhte Lebendigkeit für sein körperliches Gemälde, weil 
wir in diesem ja gerade die Eigenschaften gespiegelt finden, 
die bisher die Entwicklung des Geschehens als treibende 
und wirkende Kräfte mitbestimmt haben und noch weiter 
mitbestimmen werden“ (Stilges. S. 224). Zunächst halte ich 
die Beschränkung, die in den letzten Worten liegt, daß der 
Dichter nur soviel vom Sinnlichen schildern solle, als für 
das Seelenleben bedeutsam sei, für eine unberechtigte und 
in ihrer Durchführung unmögliche Einengung dichterischer 
Gestaltungsfreiheit. Wenn Storm uns von kinderblauen 
Augen, von sonnenblonden und goldklaren Haaren erzählt, so 
sind das gewiß keine körperlichen Reflexe von Eigenschaften, 
die als treibende und wirkende Kräfte fungiert haben, aber 
wer wollte solche köstlichen Einzelheiten missen, wenn sie 
wie hier mit künstlerischem Takt gegeben sind. Warum 
sollte die Poesie nicht auch das rein Sinnliche eben um 
seiner sinnlichen Schönheit willen in ihrer Weise darstellen, 
die freilich eine andere, aber darum nicht unberechtigter 
ist als die der Malerei; hat sie dieser gegenüber ihre Nach 
teile, so hat sie auch ihre Vorteile. Ist das Sinnliche auch 
dem Mittel der Poesie nicht so homogen, wie das Seelische, 
so hat es dennoch unter Umständen auch in der Poesie 
genügend Kraft, um von sich selber zu leben. Erwächst 
doch ein sinnlich schöner Zug, auch wenn er nicht un 
mittelbarer Ausdruck eines Seelischen ist, als Teil des 
körperlichen Gesamtbildes, das in der Dichtung mit dem 
seelischen Innern in unauflöslichem Zusammenhang steht, 
ebenfalls, wenn auch nicht unmittelbar auf dem Nährboden 
seelischen Geschehens und vermag Kraft aus ihm zu ziehen, 
wenn er nur in die lebendige Gesamtbetätigung des Körpers
	        

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