Full text: Die Technik der Gestaltendarstellung in den Novellen Theodor Storms

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Seelenlebens ist, so kann über das ökonomische Verhältnis 
der seelischen und sinnlichen Elemente innerhalb des po 
etischen Kunstwerks kein Zweifel obwalten: dem Sinnlich- 
Körperlichen, in unserem Falle der körperlichen Erscheinung 
der Gestalten, fällt im Vergleich mit dem Umfang und der 
Bedeutung der eigentlichen, der seelischen Substanz des 
Kunstwerks nur eine untergeordnete, begleitende und er 
gänzende Rolle zu. „Wir dürsten nach dem Sinnlichen in 
der Poesie, weil wir in der Kunst volles und ganzes Leben 
haben wollen. Leben, das nur im Innern verliefe, wäre 
ebenso undenkbar wie unnatürlich, als es auf die Dauer 
kraftlos würde.“ (Stilges. S. 73/74). Erblüht doch das 
Seelische auf dem Grunde des Sinnlichen, wie es denn 
vielfach, zumal im Affekt, wieder in Sinnliches ausläuft. 
Die Berücksichtigung des äußeren Bildes der Dichtungs 
gestalten gegenüber ihren seelisch-sittlichen Qualitäten ist 
bei den einzelnen Dichtern, je nach Art und Intensität ihrer 
Anschauung sehr verschieden. Storm zieht es in seiner 
Novellistik in großem Umfange heran. 
Es erhebt sich die Frage, in welchem Successions- 
verhältnis das seelische und sinnlich-körperliche Moment 
innerhalb des Verlaufs der poetischen Darstellung steht, 
d. h. ob der Dichter in der Vorführung seiner Gestalten, 
die er nicht wie der Maler als simultane Einheiten zu geben 
vermag, sondern in eine Folge der konstituierenden Faktoren 
aufzulösen gezwungen ist, von seelischen Lebensäußerungen 
zu sinnlichen fortschreitet oder umgekehrt, ob er von innen 
nach außen, oder von außen nach innen darstellt. Th. A. Meyer 
glaubt sich zu der Folgerung berechtigt, der Dichter schildere 
am besten von innen nach außen. „Er erwecke zuerst 
unser Interesse für eine Figur, indem er sie vor uns fühlen, 
denken und handeln läßt; erst wenn er sie uns in ihrem 
Seelenleben nahegebracht hat, entwerfe er ein Bild ihrer 
äußeren Erscheinung und zeige, wie sich die seelischen 
Kräfte, die sie bisher im Verlauf der Handlung an den
	        

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