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499. „Die Schandglocke!“ stöhnte er und fiel wie kraftlos gegen die
Wand. (S. 25.)
500. Mein Vater stand unbeweglich und sah mit gespannten Augen zu.
(S. 25.)
501. Als mein Vater seinen vollen Namen über den Markt hinaus sprechen
hörte, sah ich ihn zusammenzucken; (S. 25).
„I. St. J.“: Harre Jensen 1 ):
502. stieg ein alter Mann mit weißem Haar zu mir in das Coupe, . . .
Als er dies sagte, erschien um den Mund und um die braunen Augen
ein Ausdruck der Güte, ich möchte sagen der Teilnahme, der
unwillkürlich zu traulichem Gespräche einlud. Die Sauberkeit seiner
äußeren Erscheinung, die sich nicht bloß in dem braunen Tuchrock
und dem weißen Halstuch ausprägte, das feinbürgerliche Wesen des
Mannes, Alles heimelte mich an, (S. 28).
503. Er faltete seine Hände und saß eine ganze Weile wie mutlos in sich
zusammengesunken. (S. 30.)
504. Der alte schwieg eine Weile und blickte verklärt vor sich hin, als
sähe er noch einmal in diese Veilchenaugen seiner Jugend. (S. 31.)
505. Mein Reisegefährte nahm seinen Hut ab und legte ihn vor sich auf
den Schoß; sein weißes Haar wehte in der lauen Mittagsluft. So
saß er schweigend, als weihe er diese Augenblicke dem Andenken
des längst verstorbenen Freundes. (S. 39.)
506. Auf der Kante des Bettes saß mein Reisegefährte, aber seine Augen
waren über den Leichnam weg auf die nackte Wand gerichtet. Ich
sah es wohl, dieser starre Blick ging über eine leere ungeheure Kluft,
denn am jenseitigen Ufer stand das unerreichbare Luftbild seiner
Jugend, das jetzt mit reißender Schnelle in Dunst zerfloß. (S. 46.)
*) Die Quelle (vgl. Einleitg. S. 9), der das Motiv zu der Stormschen Novelle „In
St. Jürgen“ entstammt, bringt über das äußere Bild der beiden Hauptgestalten wenig, über
das der weiblichen Figur so gut wie nichts, über das der männlichen Greisengestalt
folgende Schilderung:
„Es war ein würdiget Greis mit edlen Zügen, blauen lebendigen Augen und
ziemlich langen grauen Haaren. Sein Kleid war von feinem Tuch, aber etwas abgetragen,
sein Benehmen nicht vornehm, aber eigentümlich. Nach einigen Äußerungen über die
einförmige Gegend Sah er mit teilnehmender Miene mir voll ins Gesicht“ (a. a. O. S. 108).
Bei Storni sieht der Greis folgendermaßen aus: vgl. 502. Die Darstellung Storms hat
eine erkennbare Beziehung zu der Quelle. Aber der alte Herr hat nicht nur äußerlich
eine kleine Metarmorphose unter der Feder Storms erlebt, er erscheint zugleich mit einem
Tropfen Stormschen Geistes gesalbt, der sowohl in der idealisierenden Retouchierung des
Bildes wie in der durch die subjektive Beziehung gehobenen Darstellung zum Vorschein
kommt. Es ist unerheblich, aber merkwürdig, daß Storni aus den blauen Augen braune
gemacht hat. Die Farbe des Auges ist ihm ein sehr wichtiges Moment im Gesamtbilde
seiner Gestalten und in wohlüberlegter Wahl teilt er ihnen blaue, braune, schwarze oder
graue Augen zu. In „St. J.“ tritt das besonders hervor: die blauen „Veilchenaugen“, mit
denen er die Agnes ausstattet, sie klingen wie ein festes Motiv immer wieder empor,
werden mit stilistischen Feinheiten bedacht und bilden den Centralpunkt ihres äußeren Bildes.
In wohlberechnetem Farbenkontrast giebt er dem alten Herrn nun braune Augen.

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