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»Eine Malerarbeit“: Gertrud:
175 der Nachtwind, .... er riß der Princessin die weiße Rose
aus ihrem blonden Haar und wehte sie fort in die Nacht, . . . Einen
Augenblick stand sie still und schloß ihre schönen blauen Augen,
und als das Ungeheuer seinen ungestaltenen Kopf nach ihr um
wandte, sah es nur die langen schwarzen Wimpern auf ihren zarten
Wangen liegen. Da streckte es seine Tatze aus und zupfte damit
an ihrem weißen Kleide. . . . Aber freilich, als die Princessin auf
sah, da schauderte sie und grub, wie sie zu tun pflegte, mit ihren
weißen Zähnchen in die Lippe, daß sie blutete.“ (II, S. 61.)
176. Auch fand ich sie bald; in einer kleinen Lichtung sah ich sie am
Boden liegen, ihr Gesichtchen in das Moos gedrückt; ich hörte,
wie sie wimmernd vor sich hin sprach: „Was fang ich an, was
fang ich an!“ — Als ich hinzutrat und ihren Arm berührte, sprang
sie auf und schüttelte die erhobenen Hände, ganz wie ein ver
zweifeltes Kind. (S. 63.)
„Eine Halligfahrt“: Susanne:
177. plötzlich mit leichten unhörbaren Schritten ging die Erinnerung neben
mir. Sie kam weit her aus der Vergangenheit; aber ihr Haar, das
sie kurz in freien Locken trug, war noch so blond wie einst. —
Es war deine Gestalt, Susanne, in der sie mir erschien; ich sah
wieder dein junges, festumrissenes Gesichtchen, die kleine Hand,
die lebhaft in die Ferne zeigte, — wie deutlich sah ich es! (IV, S. 4.)
178. Auf einem solchen Teppich an eben diesem Strande schritten wir
auch damals neben einander. Deine geöffneten Lippen tranken die
feuchte erquickende Luft; mitunter, wenn der weiche Südost auf
wehte, griff deine Hand nach dem blauen Schleier und legte ihn
zurück über das winzige Sommerhütchen. Dann warst du stehen
geblieben und horchtest nach oben hinauf; deine jungen neugierigen
Augen forschten in der durchsichtigen Luft. (S. 5.)
179. Sie sah mich an; es war etwas von dem blauen Strahl eines Edel
steins in diesem Blicke, und es überfiel mich, ob mir nicht doch
von diesen Augen Leids geschehen könne. Ich mag sie dabei wohl
seltsam angestarrt haben; (S. 19.)
180. Aber Susanne hatte die Mädchenturnschule durchgemacht, und an
ihren Schultern waren die unsichtbaren Flügel der Jugend; ich hörte
deutlich ihr melodisches Rauschen, wenn der kleine Fuß zum Sprunge
ansetzte und wenn sie dann so rasch hinüberflog. (S. 20.)
181. Endlich dort, weit ab in einer Bodensenkung, sah ich sie im Sande
knieen. In der scharfen Beleuchtung der schon abendlichen Sonne
gewahrte ich eines der großen Eier in ihrer Hand; sie hielt regungslos
das Ohr darauf geneigt, als wolle sie das keimende Leben belauschen,
das darin verschlossen war. Ihr zu Häupten aber schwebten zwei

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