Full text: Die Technik der Gestaltendarstellung in den Novellen Theodor Storms

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ihren weißen Gewändern zwischen den grünen breiten Blättern der 
Maugrove, unten die Bai im Sonnenglanz, darüber der stahlblaue 
Tropenhimmel; wenn sie mit ihren Vögeln spielte oder die goldenen 
Bälle in die Luft warf! (S. 271/72.) 
167. „Ich habe meine Mutter gefunden; ... Sie ist noch schön und 
von blühender Gesundheit; aber in ihren Zügen, deren Umriß ich 
zwar noch erkenne, suche ich vergebens, wonach ich die langen 
Jahre mich gesehnt habe . . .“ (S. 281.) 
168. Seither habe ich denn auch die Mutter genügend kennen gelernt; 
sie ist eine wohlbeleibte, noch immer hübsche Frau, die in bunten 
seidenen Kleidern daherrauscht und in einer ganz unmöglichen 
Sprache redet; je nachdem, ob mit den Gästen oder mit dem Ge 
sinde, in sanften oder auch wohl in etwas kreischenden Tönen. 
(S. 282/3.) 
169. Ihr hättet nur sehen sollen, in welch leuchtend grüner Seide die 
wackre bewegliche Dame zwischen den Stammgästen des Hauses 
der Hochzeitstafel präsidierte, (S. 284). 
„In St. Jürgen“: Agnes: 
170. wir wußten kaum, daß sie auch noch den wohlklingenden Namen 
„Agnes“ führte, der einst da ihre blauen Augen noch jung und das 
jetzt graue Haar noch blond gewesen, gar wohl zu ihr gepaßt 
haben mochte. (II, S. 5.) 1 ) 
171. Aber ich kehrte doch wieder heim, und das geschah um eines 
jungen blonden Mädchens willen. — Ich glaube nicht, daß ich jemals 
wieder so blaue Augen gesehen habe. Eine Freundin sagte einmal 
im Scherz zu ihr: „Agnes, ich pflück’ dir die Veilchen aus den 
Augen!“ Die Worte hab ich nimmer vergessen können. — Der 
Alte schwieg eine Weile und blickte verklärt vor sich hin, als sähe 
er noch einmal in die Veilchenaugen seiner Jugend. (II, S. 30/31.) 
172. Der Morgenwind hatte ein paar der blonden Haare gelöst und 
wehte sie über ihr blasses Gesicht, das jetzt geduldig zu mir auf 
blickte. (S. 35.) 
173. Da erkannte ich noch deutlich auf dem von Sonnenglanz um 
flossenen Turm ihre liebe Gestalt; mir schien, als lehne sie sich 
weit über den Rand des Geländers hinaus, sodaß ich unwillkürlich 
einen Schrenkensruf ausstieß. Aber die Gestalt blieb unbeweglich. 
(S. 36.) 
174. aber immer lehnte Agnes oben auf dem Geländer der Platt 
form; sie trug noch das blaue Kleid, worin sie dort von mir Abschied 
genommen hatte; nur war es ganz zerrissen, die leichten Fetzen 
flatterten in der Luft. (S. 40.) 
*) In der ersten Fassung der Novelle (s. unter Textgeschichte S. 12, Anm. 3) findet 
sich folgende Schilderung ihres Äußern: Als ich aufblickte, stand Agnes vor mir. Die 
Sonne glänzte auf ihfen blonden Flechten, aber die Veilchen in ihren Augen waren vor 
Thränen nicht zu sehen. (S. 45.)
	        

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