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lßO. Lore hatte ihr blasses Gesicht in die eine Hand gestützt, während
die andere wie vergessen an dem Fuß des vollen Glases ruhte; (S. 149).
131. Das Mädchen hatte indessen ihr Glas an die Lippen geführt und es
mit einem durstigen Zug hinabgetrunken. Ohne den Kopf zu er
heben, der noch immer müde in ihrer Hand ruhte, nahm sie die
Flasche und hielt sie schwebend über dem leeren Glase, sodaß der
Wein langsam hineinfloß und nur allmählich schäumend in dem
Kelche aufstieg. Ihre Augen blickten mit einem Ausdruck von
Trostlosigkeit darauf, als sehe sie ihr Leben aus der Flasche rinnen.
Sie achtete auch nicht darauf, als der Schaum aus dem Glase auf
den Tisch und von diesem auf den Boden floß; nur ihre andere
Hand schien sich immer fester in das schwarze seidige Haar hinein
zu wühlen. (S. 150.)
132. Sie blieb stehen, ohne daß sie Miene machte, sich von seiner Hand
zu lösen; nur ihre dunkeln glänzenden Augen blickten ihn fragend
und verachtend an. (S. 151.)
133. . . sah ich sie in einer Fensternische stehen und scheinbar regungslos
in das Gewühl hineinstarren; sie war fast so blaß wie die weiße
Rose in ihrem Haar. (S. 151.)
134. Sie senkte, während sie mir die Hand reichte, den Kopf so tief, das
ich ihre Augen nicht zu sehen vermochte; aber ich sah, wie ihre
kleinen weißen Zähne sich tief in ihre Lippen gruben. (S. 151.)
135. Sie fuhr zusammen und murmelte etwas, das ich nicht verstand; aber
auf ihren Wangen wurden zwei dunkelrote Flecke sichtbar ... Ich
sah, wie sie nach Athem rang, und wie ihre herabhangende Hand
krampfhaft an dem Kleide fingerte. (S. 152.)
136. Nicht lange, so sah ich auch den Schimmer eines weißen Kleides,
ich hörte den leichten Schritt des Mädchens, und gleich darauf stand
sie selbst tief aufatmend vor mir. (S. 153.)
137. Sie senkte den Kopf, indem sie mit der Stirn an eine Fensterscheibe
lehnte; die weiße Rose lag noch immer duftend auf dem glänzend
schwarzen Haar. (S. 154.)
138. Ihre Augen blickten mich groß und traurig an. „O, doch!“ sagte sie
leise; und mir war, als sähe ich ein Lächeln um ihren Mund; aber
ein Lächeln wie in verhüllter Arglist. (S. 151.)
139. Sie stand unter der Halle, den Arm um eine der Säulen geschlungen,
und blickte durch die Bäume auf die See hinab, wo eben ein Wetter
schein blendend über das Wasser leuchtete. (S. 155.)
140. Und in diesem Sonnenglanze lag auch sie ... . Das bleiche Ge-
sichtchen ruhte auf dem Ufersande; die kleinen tanzenden Füße ragten
jetzt regungslos unter dem Kleide hervor; Seetang und Muscheln
hingen in den schwarzen triefenden Haaren. Die weiße Rose war
fort, sie mochte ins Meer hinaus geschwommen sein.

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