Phantasie hätte, in Rede umsetzt, sondern ob er mit seiner
Rede Anschauungsbilder in uns, den Genießenden erzeugt.
Die Tätigkeit des Nachvorstellens in der Poesie aber verläuft
in Formen und schafft psychologische Gebilde, die von der
anschauenden Tätigkeit und deren Gebilden wesentlich ver
schieden sind.“ (Stilges. S. 125.) So bleibt als Stoffgebiet
der Poesie im wesentlichen die Welt der seelischen Lebens
äußerungen. Trotzdem wäre es natürlich ein verfehltes und
vergebliches Mühen, das Sinnliche aus dem Darstellungs
bereich der Poesie ausweisen zu wollen. Auch das Sinn
liche hat neben dem Seelischen in der Dichtkunst seine
berechtigte Stätte, wenn auch nur eine verhältnismäßig be
schränkte. Dabei schauen wir freilich „nicht im Sinnlichen
den Gehalt wie in der Malerei, sondern wir denken das
Sinnliche nur in der vergeistigenden Weise des Vorstellens,
aber indem wir es denken, taucht assoziativ der Eindruck
wieder auf, den wir uns früher einmal am Sinnenbild in der
Wirklichkeit erschaut haben. Diese wunderbare Fähigkeit
der Vorstellung früher erlebte Empfindungen und Gefühle
als solche wieder aufwachen zu lassen, öffnet dem Dichter
die Tore der anschaulichen Welt und enthebt ihn doch von
der unlösbaren Aufgabe, mit einem unanschaulichen Mittel
Anschauungen zu entwerfen oder unsere in diesem Punkte
so schwache Phantasie zur Bildung von inneren Sinnen
bildern zu reizen. Unfähig, die Dinge in ihrer frischen
Sinnlichkeit vor unser inneres Auge zu stellen, muß sich
der Dichter begnügen, mit seinem Wort uns die Gehalts
eindrücke zu erwecken, die sie in der Wirklichkeit auf uns
gemacht haben. Nicht innere Anschauung, sondern Ein
drücke der Anschauung muß . . . der Grundsatz des Dichters
sein“ (Stilges. S. 157). Woher nun aber der täuschende
Schein der Plastik, den wir in einer lebensvollen poetischen
Darstellung zu empfinden schwören möchten? Woher zumal
der Schein der in ihrer plastischen Rundung zum Greifen
nahen Gegenwärtigkeit der Gestalten? Glauben wir sie doch

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