die magische Beleuchtung der Erinnerung zu rücken, in der
Vorliebe für das Geheimnisvolle, Verschleierte, traumhaft
Ahnungsvolle, für unbewußte Gemüts- und Blutregungen,
für den Nachhall des Vergangenen im Gegenwärtigen, sieht
Stern den Zusammenhang Storms mit der Romantik 1 ). Eine
andere Beziehung Storms zur Romantik findet Schütze in
der Eigenart seines Naturempfindens 2 ), das in seinem Nieder
schlag auf die schleswig-holsteinische Landschaft seine be
sondere Nüance gewinnt. Romantisch ist bei Storm die
Neigung „eine über die Wirklichkeit erhobene, geheimnis
voll in sich abgeschlossene Welt zu schaffen“, wenn es auch
nicht wie so häufig bei den Romantikern eine Welt ist, in
der das Gesetz der Schwere aufhört und an seine Stelle eine
ungezügelte Phantasie tritt. Romantisch ist bei Storm das
Schwelgen in den Wollüsten der Einsamkeit, der Meer-,
Heide-, Garten- und Waldeseinsamkeit, deren geheimnisvolle
Geister er wie kein zweiter in ihrer berückenden Wirkung
auf das Menschenherz lebendig zu machen weiß. Dies un
beabsichtigte Aufsuchen der geliebten Einsamkeit ist die
poetische Form der von dem Romantiker echter Observanz
bewußt und auf Grund einer Theorie geübten Manier, die
eigene Person der Welt gegenüberzusetzen. Romantisch ist
die Sehnsucht so manches Stormschen Helden nach einem
unbestimmten Glücke, das bei den Romantikern im Symbol
der „blauen Blume“ verkörpert, bei Storm jedoch bestimmte
und reale Formen anzunehmen pflegt 3 ). Romantisch ist
endlich gegenüber den Gestaltungs- und Charakterisierungs
faktoren das Überwiegen der Stimmungs- und Gefühlswerte,
deren Überfülle in Storms ersten Schöpfungen den Kontur
der poetischen Gebilde aufzulösen droht. Indessen die stark
romantischen Stimmungen und Gefühle erscheinen fort
schreitend gemäßigt zugunsten einer schärferen Umreißung
der Gestalten und strafferen Durchführung seelischer Konflikte.
*) Stern, Stud. S. 88/89. — 2 ) Schütze, S. 257, vgl. auch Dreesen,
Romantische Elemente bei Storm S. 63 ff. — 3 ) Vgl. Dreesen, a. a. O. S.51 ff.
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