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tierenden Persönlichkeit. Dieser erstarkende Wirklichkeits
sinn in der Dichtkunst erstreckt sich einmal als „physio
logischer Impressionismus“ (Lamprecht, Zur jüngsten
deutschen Vergangenheit, I., 207. Dichtung) auf die sinn
lich gegebene Welt der Natur und Gesellschaft, die rein
physiologisch schärfer erfaßt (vgl. Malerei) und in erweitertem
Umfange, z. B. durch die Erhebung niederster Gesellschafts
schichten zur Literaturfähigkeit (Armeleutmalerei), in den Kreis
der Darstellung einbezogen wird. Er wendet sich als „psy
chologischer Impressionismus“ nach innen, der Welt der
Seele zu, deren Leben und Regungen er bis in die feinsten
Verästelungen die Dichtung zu entschleiern versucht. Eine
stets wachsende Hereinziehung der Elemente der Wirklich
keit in den Bereich dichterischer Darstellung, eine stets zu
nehmende Schärfe physiologischer Apperception und psy
chologischer Analyse erzeugen eine Intimität der Darstellung,
die ein wesentliches Moment der Literaturentwicklung im
XIX. Jahrhundert ausmacht. In je weiterem Umfange und
je größerer Gründlichkeit die äußere und innere Welt heran
gezogen wurde, um so weniger Raum blieb für die Ent
faltung der dichterischen Persönlichkeit, sie tritt daher ge
flissentlich zurück hinter das Weltbild, bei dessen Darstellung
der höchste Grad von Objektivität, eine blanke Kopie der
Wirklichkeit erstrebt wurde. Aber dieses Streben nach photo
graphischer Treue muß unfehlbar an der widerstrebenden
Natur der dichterischen Darstellungsmittel scheitern, die
leisten sollten, was nur dem Pinsel des Malers möglich ist.
Das mosaikartig zusammengefügte Bild entbehrt zudem der
lebendigen Einheit der dichterischen Persönlichkeit, in der
es allein seinen Halt und seine Stütze hat und ohne die es
leicht in die leblosen Teile der unverbundenen Vielheit aus
einanderfällt.
Im Gegensatz hierzu proklamierte die Romantik unter
dem Kennwort der „romantischen Ironie“ die Souveränität
und Willkür der Persönlichkeit gegenüber den Objekten der

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