114
Dichter vornehmlich für die farbige Seite der Erschei
nungen, die fast ausschließlich im Beiwort zum Ausdruck
gelangt, ln den Wörtern mit sinnlichem Gehalt „ist eben
scheinbar die Gehaltsempfindung vom Sinnlichen unab-
löslich“. „Kräftiger Schein der Sinnlichkeit verleiht der
Dichtung hohen Reiz. Wo er vorhanden, da erst scheint
sich das Leben in seiner Ganzheit, in Rundung und Fülle
vor uns aufzutun. Wir stehen unter dem Eindruck, nicht
bloß eine geistig-sinnliche Welt vor uns zu haben, sondern
vom Sinnlichen unmittelbar berührt zu werden. Ein ganz
eigener Zauber des Konkreten, Unmittelbaren, Handgreif
lichen ist über sie ausgebreitet und auch das Seelische
gewinnt an Kraft und Sattheit. Aber auch dieser Schein
der Sinnlichkeit in der Poesie ist doch nichts anderes „als
die höchste Blüte der Lebendigkeit“ (Stilges. S. 200). Bei
der Darstellung der Gestalten äußert sich diese Neigung
des Dichters zur sinnlichen Vergegenwärtigung in der nur
ganz selten unterlassenen Wiedergabe der Farbe des Haares,
der Augen, des Antlitzes, der Hände, der Kleidung usw.
Er begnügt sich nicht mit einer einmaligen Angabe der
Farbe, sondern er wiederholt sie wieder und wieder. Diese
Wiederholung des Beiworts ist subjektiv ein Zeugnis für die
Intensität anschauender Phantasie, objektiv ein wirkungs
volles künstlerisches Mittel.
Das Beiwort tritt in den Novellen zumeist eingliedrig
oder zweigliedrig auf. In der Mehrzahl der Fälle bringt
der Dichter im Epitheton das Charakteristische einer
körperlichen Form oder Eigenschaft unter: er beschreibt
und umschreibt nicht lange, sondern erfaßt das Wesentliche,
den Kern der Sache und gibt ihm die bündigste Form.
Zu diesem Zwecke bietet sich ihm als eins der gefügigsten
Werkzeuge eben das Beiwort dar: Kürze und Schlagkraft
verbindet es zu einer Wirkung, die ein Beweis künstle
rischen Könnens auf dem unsicheren Boden beschreibender
Darstellung ist.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.