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V. Teil.
Die stilistischen Mittel der Gestaltendarstellung.
a) Das Beiwort.
„Beiwörter sind dichterische Hauptwörter.'
(Novalis, Fragm.)
So wenig Storm in der Wahl und Auffassung seiner Stoffe
auf Kosten seiner Persönlichkeit dem strikten Realismus Zu
geständnisse macht, so wenig strebt er einen Realismus der
Sprache an. „Auf volkstümlicher Grundlage ruhend erhebt sie
sich doch zu poetischer Schönheit. Indem der Dichter ihr das
eigenartige Gepräge seines Geistes aufdrückt, erhält auch sie
etwas Schwebendes, das mitunter wie ein Schauer berühren
kann.“ (Schütze, a. a. O. S. 265). „Entzückende Rein
heit“ und „keusche Knappheit“ weiß Ad. Stern dem „in
aller Schlichtheit“ beschwingten Stile Th. Storms nachzu
rühmen. Storm ist die feine Künstlerhand verliehen, die in
intensiver Ausbeutung des Wortschatzes mit diskreten Mitteln
die intimsten Wirkungen erzielt. Indem er das Wort in das
belebende Element seiner Empfindung taucht, erscheint
es herausgeboren aus dem tiefsten Innern. „Das empfindungs
getränkte Wort stellt die höchste Blüte der Sprache dar;
im Empfindungston wird dem Wort die Seele eingesetzt,
es wird aufs wunderbarste verinnerlicht, vertieft und bekommt
eine geheimnisvolle Unergründlichkeit; denn alles Em
pfundene hat einen irrationalen Rest, der dem eindringenden
Verstand unauflöslich bleibt . . . Worte mit eigenem Em
pfindungston sind daher die eigentlichen poetischen Worte
und tragen mit ihrer Gehobenheit alles empor in eine der
Wirklichkeit entrückte idealistische Sphäre“ (Stilges. S. 162).
In dieser Durchsättigung des Wortes mit persönlichem
Gehalt liegt ein Geheimnis der Stormschen Sprachkunst

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