Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

I. Einleitung. 
a. Der „Cid“ in der Litteratur. 
Immer wieder reizen gewisse Stoffe den künstlerischen Ge 
staltungsdrang. Nicht bei demselben Volk allein erleben sie eine 
wiederholte Blüte, nein, auch in der Ferne erfahren sie eine Be 
arbeitung, und nie alternd erscheint ihr Gehalt in stets wechseln 
den Gestalten. 
Zu solchen immer aufs neue auflebenden Stoffen gehören 
auch die schlichten, aber packenden alten spanischen Cid- 
Romanzen, deren wahrhaft dramatischer Inhalt von selbst zu einer 
Bearbeitung im Drama drängte. 
Bereits Lope de Vega schrieb „Las Nazanas del Cid y su 
muerte“ (Die Heldentaten des Cid und sein Tod), welches Drama 
aber leider verloren ging. Der Titel freilich läßt die Vermutung 
zu, daß sein Inhalt sich mit dem bekannter Bearbeitungen kaum 
deckte. 
Die älteste uns erhaltene Bearbeitung des Stoffes, wie ihn 
die Cid-Romanzen bieten, ist die „Mocedades del Cid“ (Jugend 
taten des Cid) von Guillen de Castro, vom Jahre 1618. 
Durch Chalon auf de Castro hingewiesen, bemächtigte sich 
auch Corneille dieses fruchtbaren Stoffes und schuf aus ihm das 
Drama, das trotz der ihm anhaftenden Schwächen bestimmt war, 
den Namen des Dichters unsterblich zu machen: Le Cid. 
Corneilles Werk wurde der Ausgangspunkt für die Be 
geisterung, die sich jetzt auch in der außerfranzösischen Litteratur 
für dieses Ideal mittelalterlicher Ritterlichkeit erhob. Der außer 
ordentliche Erfolg, den der „Cid“ errang, erklärt sich dadurch, 
daß kein anderes Stück des ganzen Jahrhunderts den Geist und 
den Charakter der Zeit so vollständig zum Ausdruck brachte. 
Zudem lebt in ihm das Feuer der Jugend. Was die feine Ge-
	        
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