Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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Sporen anlegen. Gleich ihrer Freundin Ximene wird sie von 
einer tiefen Neigung zu Rodrigo erfaßt. So wird Urraqua ganz 
natürlich zur Gegenspielerin, und die Verwickelung, die aus dem 
Konflikt zwischen Pflicht und Liebe in dem Verhältnis Rodrigos 
zu Ximene entsteht, wird nur noch komplizierter. Es ist nun 
die Möglichkeit eines doppelten Ausganges gegeben, und das 
Interesse an der Handlung, die eine durchaus einheitliche ist, wird 
noch gesteigert. Auch im weiteren Verlauf der Handlung bleibt 
Urraqua nicht ohne Bedeutung für den Aufbau derselben und vor 
allem für die Lösung des Knotens: Wir sehen, wie Urraqua den 
Helden vor dem sicheren Tode rettet und Anspruch auf seine 
Dankbarkeit gewinnt: Sie wird nämlich vom Balkon aus Zeuge 
des Zweikampfes zwischen Rodrigo und Gormaz; sie sieht, wie 
ersterer trotz seines Sieges nahe daran ist, das eigene Leben 
zu verlieren, da des Gefallenen Freunde ihn hart bedrängen. 
Durch ihr plötzliches Dazwischentreten macht sie aber dem 
Kampf ein Ende und bewahrt so Rodrigo vor dem sicheren Tode. 
— Als dann Rodrigo zum Kampfe gegen die Mauren auszieht, 
gibt sie ihm vom Balkon herab ihre zärtlichsten Wünsche für 
sein Wohlergehen in der Schlacht mit auf den Weg. — Wenn sie 
es dann aber aufgibt, Rodrigos Gegenliebe zu erringen, so ge 
schieht dies keineswegs in Erwägung etwaiger Standesunterschiede, 
sondern allein im Hinblick auf seine große Leidenschaft für 
ihre Freundin Ximene. Um dieser zu nützen und den heimlich 
Geliebten glücklich zu machen, beschließt sie edelmütig, die 
Heirat der beiden auf jede Weise zu fördern. So wird also im 
„Cid“ des Castro die Infantin zu einem wichtigen Gliede in der 
Kette jener Momente, welche fördernd den glücklichen Ausgang 
der Handlung beeinflussen. 
Was ist nun bei Corneille aus der Rolle der Infantin geworden? 
Eingeschaltet muß hier zunächst werden, daß es ihm allerdings 
nicht, wie Castro, auf eine möglichst mannigfaltige, reiche und 
dabei die Phantasie anregende Darstellung ankam, in welcher 
besonders die äußere Handlung zu betonen war, sondern 
daß es ihm mehr um die gegensätzliche Entwicklung der 
Motive, möglichste Klarstellung und Herausarbeitung der Situationen 
zu tun war; und eben deshalb erstrebt Corneille eine mög 
lichste Vereinfachung der äußeren Handlung. x ) Kam für 
*) cf Pröhlss, a. a. O.
	        
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