Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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der Infantin und Chimene. Der Inhalt desselben ist eine Wieder 
holung des Gespräches zwischen letzterer und ihrer Vertrauten in 
Akt IV,1: Auch die Infantin sucht Chimene zu bestimmen, von 
weiterer Verfolgung der Rache abzusehen. Diese Scene des „Cid“ 
bedeutet demnach eine unnötige Länge und hält die Handlung 
nur auf. Akt IV,3 des „Cid“ zeigt uns Rodrigo vor dem Könige, 
dem er einen Bericht über den Kampf gibt. 
Cibber vermeidet geschickt die erwähnten Mängel. Eigent 
lich konnte er auch nicht anders, als Akt IV,2 und 3 der Vor 
lage zusammenzuziehen: da er die Rolle der Infantin gestrichen 
hat. Gewöhnlich erhält dann Belzara diese Rolle, nun hat 
aber diese schon in Akt V, 1 die Rolle der von Cibber gleichfalls 
gestrichenen Elvira übernommen, und da Chimene an beiden Scenen 
beteiligt ist, müßten diese, zumal der Inhalt fast derselbe ist, ganz 
natürlich bei Cibber zusammenfallen. Wie wir gleichfalls gesehen 
haben, übernimmt er Akt IV,1 der Vorlage als selbständige Scene; 
(V, 1 bei Cibb.) Er läßt nun auch in der folgenden Scene (V,2) 
Ximena und Belzara auf der Bühne und bringt noch Alonzo 
hinzu, der bei Corn. nicht auftritt; er ist es, der den Bericht des 
Rodrigo (Cibber IV,3) übernimmt, und so fallen also in der Tat 
Akt IV,2 und 3 der Vorlage in Akt V,2 bei Cibber zusammen. 
In seiner Vorrede macht dieser selbst einige Bemerkungen 
hierzu. Er sagt: „ The making Rodrigue to give an Account 
of his own Victory must either lessen the Action, or his Character. 
. . . . Any Friend, that was a Well-Wisher to his Interest must 
certainly have been a more proper Herald to his Farne.“ Diese 
Einwendung Cibbers bedarf wohl kaum einer Erläuterung; sie ist 
durchaus zutreffend. Auf geschickte Weise umgeht er die Klippe 
und führt Alonzo ein, den er diesen Bericht erteilen läßt. Alonzo 
ist auch am besten geeignet dazu, da er Augenzeuge des Kampfes 
war. Auch daß er Ximena und nicht dem Könige den Bericht 
erstattet, erscheint mir bei Cibber der ganzen Situation besser ent 
sprechend: In Akt IV,1 der Vorlage wurde angedeutet, daß Diego 
mit den beiden gefangenen Königen an den Hof geeilt sei, um 
Gnade für seinen Sohn zu erwirken. Nun ist doch billig anzu 
nehmen, daß er bei dieser Gelegenheit dem Könige auch einen 
Bericht über den Kampf gegeben habe; x ) damit erübrigt sich ein 
•) Die Richtigkeit dieser Annahme wird gestützt durch die Tatsache, 
daß der König bereits Kenntnis von allerlei Einzelheiten verrät, (cf. v. 1120 ff.)
	        
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