Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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um Gormaz fallen zu sehen. Dessen leblosen Körper habe man 
in das nahe Haus eines Priesters getragen, um nicht durch den 
Anblick des Leichnams Ximenens Schmerz noch zu steigern. 
Diese sei jetzt unterwegs zum Könige, Rache heischend für den 
gemordeten Vater. Am Schlüsse seines Berichtes überreicht Alonzo 
dem Könige den Zettel, den die Hand des Gefallenen umschlossen 
gehalten hatte. 
Die eben besprochene Scene findet ihre Vorlage in Akt 11,7 
des „Cid." Der einzige bemerkenswerte Zusatz Cibbers ist die 
Uebergabe des Zettels, auf den Gormaz sein letztes Vermächtnis 
geschrieben hatte. 
Cibber selbst ist freilich der Meinung, daß er den Dialog in 
dieser Scene „greatly improv’d” habe. Er glaubt nämlich, 
Corneille den Vorwurf nicht ersparen zu können, daß im „Cid” 
Alonzos Bericht von dem Tode des Gormaz in so „einfacher" 
Weise, mit Vermeidung aller details” gegeben werde, daß Cibber 
selbst bei der Lektüre desselben „scarce knew, whether he was 
to believe him dead or no.“ Er habe sich darum bemüht, durch 
einen ausführlicheren Bericht die Zuschauer vor einem solchen 
Zweifel zu bewahren und zugleich ihre Teilnahme „mehr zu er 
regen“, zumal „dadurch die Möglichkeit der Katastrophe besser 
vorbereitet werde." 
Die erste Bemerkung Cibbers muß zum mindesten ver 
wunderlich erscheinen; denn wenn Alonzo vor den König tritt 
mit den Worten: „ Sire, le comte est mort" und Cibber dann 
noch nicht zu glauben vermag, daß Gormaz wirklich tot ist, so 
kann ihm eben nicht geholfen werden. Freilich, Cibber weiß ja, 
daß in seinem Stücke Gormaz wieder lebendig werden soll, und 
der Gedanke daran mag wohl der Anlass zu seinen Bemerkungen 
geworden sein. 
Was dep Umfang des Berichtes betrifft, der in der Tat bei 
Cibber bedeutend länger ist, so kann nur die Bemerkung wieder 
holt werden, die bereits bei einem analogen Falle gemacht wurde: 
Cibber freut sich jeder Gelegenheit, viel Rührung wecken zu 
können. 
Scene 8. 
Ximena und Alvarez erscheinen vor dem Könige, erstere, 
Strafe für den Mörder ihres Vaters zu fordern, Alvarez aber,
	        
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