Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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zu sein. Die sich dann entwickelnde Unterhaltung der beiden 
Gegner ist so „hearty“, daß man geneigt ist, alle Befürchtungen 
einer ernsthaften Verwickelung, die man vorher etwa hegen 
konnte, wieder aufzugeben. Ganz besonders ist die Frage des 
Grafen „Es-tu si las de vivre?“ am Unrechten Platze; denn in 
einem Ehrenhandel zwischen Edelleuten sei eine solche Frage 
n i e angebracht. Bewiesen wird die Lächerlichkeit derselben 
durch „the shrewd answer“, die Rodrigo ihm darauf giebt „As-tu 
peur de mourir?“ 
Dies sind die Ausstellungen Cibbers, die zunächst kritisch 
zu betrachten sein werden, ehe auf eine Beurteilung seiner Aen- 
derungen eingegangen werden kann. 
Um gleich mit der ersten Ausstellung zu beginnen, die 
Cibber an seiner Vorlage macht, so bleibt es mir unverständlich, 
worauf er seine Behauptung basiert, daß Carlos seine Heraus 
forderung, „with so vaunting a Boast“ vorbringe. Im Gegenteil 
wahrt er durchaus die äußere Form, bittet Gormaz zunächst um 
eine Unterredung und hält ihm dann, nachdem diese gewährt ist, 
in zwar bestimmten, aber leidenschaftslosen Worten das Unrecht 
vor, das er seinem Vater zugefügt. Erst auf die verächtlichen 
Worte des Grafen hin und gereizt durch den Hohn in seiner Rede, 
kommt sein Blut in Wallung. Gerade in dieser Scene zeigt sich 
Corneilles Meisterhand, sowohl was die Führung der Handlung 
als auch die Gestaltung des Dialoges und vor allem die feste 
und klare Zeichnung des Charakters anlangt. Cibbers erste Be 
hauptung ist demnach als unbegründet abzuweisen. Wenn er 
geglaubt hat, daß es wirklich nötig sei, Carlos zarter und weicher 
auftreten zu lassen, so ist das eben sein Geschmack und der 
seines Publikums. 
Was dann weiter Cibbers Bemerkungen über die Weigerung 
des Gormaz, die Herausforderunganzunehmen, betrifft, so können 
dieselben kaum ernst genommen werden. Außer Cibber dürfte 
wohl schwerlich jemand auf den Gedanken kommen, daß es 
blasse Furcht sei, die den kriegserfahrenen, durch seine Tapfer 
keit berühmten Feldherrn [vergl. v. 275 ff.] den Zweikampf 
mit einem Jüngling meiden lasse. Die Weigerung kann doch 
Gormaz nur zum Ruhme gereichen, da sie allein seinem Edel 
mut entspringt: Ihn dauert das herbe Geschick Rodrigos, und 
er möchte ihn davor bewahren; zudem betont er selbst, daß
	        
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