Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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Stückes betreffen, werden dann an der geeigneten Stelle auf ihren 
Wert hin geprüft werden. 
Was Cibber nun selbst vorbringt über die Notwendigkeit, die 
ersten beiden Scenen bei Corneille durch andere zu ersetzen, ist 
folgendes: Der plötzliche Streit zwischen Diego (Alvarez bei Cibber) 
und Gormaz in der folgenden (3.) Scene erscheint nur verursacht 
durch den jähzornigen und überaus eitlen Gormaz. Durch diesen 
Streit der beiden Edelleute wird das Glück ihrer Kinder — Ro- 
drigo und Chimene — bedroht. Am Schlüsse der voraufgehenden 
Scene aber war der Zuschauer berechtigt, eine versöhnliche 
Stimmung des Gormaz gegen seinen alten Feind und einen fried 
lichen Ausgang, gesichert durch die Verbindung der beiden 
Liebenden, anzunehmen. Wenn nun auch die Ueberraschungen 
zu den Erfordernissen des Dramas gehören, so dürfen diese 
doch niemals dermaßen unvermittelt an den Zuschauer heran 
treten, daß sie ihn mehr erschrecken, als ergötzen. Jede Ueber- 
raschung muß daher bis zu einem gewissen Grade vorbereitet 
sein, damit dem Zuschauer der eine hohe Genuß nicht verloren 
gehe, welcher darin besteht, ,,to give a private Applause to his 
own Judgement in so rightly foreseeing the Conclusion“. Diesen 
Forderungen aber — fährt Cibber fort — entspricht 1,2 des „Cid“ 
nicht. Eine für den weiteren Verlauf der Handlung so wichtige 
Scene wickelt sich ab, ohne daß man weiß, was sie bedeutet, 
ehe sie vorüber ist: Der Zuschauer kann sich gar nicht erklären, 
wer die sich schmähenden und bekämpfenden Greise sind, so 
daß die Aufmerksamkeit verloren geht, bis ein Zufall endlich diese 
Frage gelöst hat. — Soweit Cibber. 
Die allgemeinen Bemerkungen, die er hier vorbringt, sind 
durchaus richtig, und auch die Vorwürfe, die er gegen Corneille 
erhebt, sind nicht zu widerlegen; sie sind von Kritikern vor und 
nach Cibber des öfteren ausgesprochen worden. In der Tat tritt 
der Streit der für den Zuschauer völlig Fremden ganz unvermittelt 
an denselben heran, und auch das Motiv des Streites erscheint 
wenig einleuchtend. Denn daß ein Edelmann sich hinreißen läßt, 
einem anderen Edelmann den erdenklich größten Schimpf anzutun, 
nur weil diesem eine Auszeichnung zuteil wurde, auf die jener 
selbst mehr Recht zu haben glaubt, das ist doch absurd. 
Cibber vermeidet nun diesen bei Corneille gerügten Mangel 
durch den geschickt eingefügten Dialog zwischen Gormaz und
	        
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