Full text: Colley Cibber's Tragicomedy "Ximena or the Heroick Daughter" und ihr Verhältnis zu Corneilles "Cid"

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erschien, schickte ihr der Autor eine 16 Seiten umfassende Vor 
rede „To the Reader“ vorauf. Er macht darin zunächst einige 
allgemeine Bemerkungen über allerlei äußere Einflüsse, welche 
oftmals imstande sind, den Erfolg oder Nichterfolg eines Stückes 
zu bestimmen. Mit seiner „Ximena“ aber habe er trotz der 
„Mache“ gewisser Kritiker vollen Erfolg, 1 ) ein volles Haus und 
eine volle Kasse erzielt. Unumwunden gibt Cibber dann auch 
an dieser Stelle zu, einem Teil seines Erfolges dem „großen 
Corneille“ zu schulden. 
Er geht dann in einem „Examen of the „Cid“ and „The 
Heroick Daughter“ dazu über, des genaueren klar zu legen, was 
er der Vorlage entlehnt hat, und was in seinem Drama ihm selbst 
gehört, wobei er sich gleichzeitig bemüht, für all die Abweichungen 
von der Vorlage seine Gründe darzulegen. 2 ) 
Es mag vorgreifend gleich hier gesagt werden, daß, wenn 
auch diese „Gründe“ oft nur auf einer falschen Auffassung des 
französischen Textes beruhen, so daß die Bemerkungen Cibbers 
recht oft eine Kritik herausfordern, der Autor doch ehrlich zu 
Werke geht und nicht etwa den Leser durch bewußt falsche An 
gaben über das Verhältnis des Stückes zur Vorlage irre zu führen 
sucht. 
Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die nur allzu 
deutlich hervortretende Zufriedenheit Cibbers darüber, daß er die 
Fehler Corneilles — von dem er übrigens immer in Ausdrücken 
höchster Achtung und Bewunderung spricht 3 ) — stets richtig 
') Allerdings stimmt diese Behauptung nicht zu einer Bemerkung 
Rapps, der — ohne jedoch seine Quellen zu nennen — a. a. O. angiebt, 
daß Cibber mit seiner „Ximena“ nur wenig Erfolg gehabt habe. Diese Be 
merkung dürfte aber auf einem Irrtum beruhen, zum mindesten ist sie mit 
aller Vorsicht aufzunehmen, zumal Rapp auch inbetreff chronologischer 
Angaben arge Irrtümer unterlaufen. So setzt er beispielsweise „Ximena“ 
in das Jahr 1699 statt (1712), und verwechselt es möglicherweise mit 
„Xerxes“, der in diesem Jahre erschien und wenig Beifall fand. 
-) Der ganzen Form dieser Vorrede nach zu urteilen, scheint Cibber 
den Angriff übelgesinnter Kritiker abzuwehren, die ihm wohl ein Ab- 
schrciben von Corneille vorgeworfen haben. Genaueres und Sicheres 
hierüber festzustellen, war nicht möglich. — Man vergleiche hierzu auch 
das p. io über das Verhältnis zwischen Cibber und Pope Gesagte. 
:! ) Er spricht von ihm stets als „the great Corneille“ oder „the famed 
Corneille“.
	        
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