Full text: Ueber stereochemische Untersuchungen in der Piperidinreihe

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Entweder es liegt ein innerer Thioharnstoff vor, oder der Körper 
stellt ein Senföl dar. Für Formel 1 spricht die neutrale 
Reaktion des Harnstoffes; nach Formel 2 müsste der Körper 
analog den symm. Thioharnstoffen alkalisch reagieren. 
Gegen die Formel 2 spricht folgendes: 
a) Schon Harri es hatte versucht, eine Kondensation mit 
Anilin zu bewerkstelligen, die gemäss der zweiten Formulierung 
des Esothioharnstoffes zu folgendem Körper hätte führen sollen: 
NH(CH.,) 3 C5H„NH—CS—NHCfiHs. 
Er hatte fast quantitativ den Esothioharnstoff wieder zurück 
erhalten, ohne dass eine Reaktion eintrat. 
b) Ich versuchte, von demselben Gedanken ausgehend, 
eine Kondensation mit a-Aminopiperidin, wobei ein symm. Thio 
harnstoff folgender Struktur wohl zu erwarten gewesen wäre: 
HN(CH,)8C5H«NH—CS-NHC.H.(CH,) 8 NH. 
Zu diesem Zweck löste ich 0,4 g inneren Thioharnstoff 
in ca. 6 g abs. Alkohols und versetzte die Lösung mit 0,3 g 
rt-para-Aminotrimethylpiperidin, ebenfalls in abs. Alkohol gelöst. 
Auf dem Wasserbad steigerte ich die Temperatur auf 60°, ohne 
dass die Ausscheidung eines festen Körpers eintrat. Nach dem 
Abkühlen und Einengen der Lösung im Vakuum versetzte ich 
dieselbe mit konzentrierter Salzsäure, wobei ich einen kry- 
stallinischen Niederschlag erhielt. Es resultierten etwas über 
0,4 g des salzsauren Esothioharnstoffes, dessen Sp. bei 254 bis 
255° liegt. Der Harnstoff wurde hieraus wieder in Freiheit ge 
setzt, ich erhielt annähernd die gleiche Menge, von der ich 
ausgegangen war, vom bekannten Sp. 77 °. 
So trat also auch bei diesem Versuch nicht die erwartete 
Senföl-Reaktion ein, welcher Umstand ebenfalls für die Annahme 
der ersten Formel, einer inneren Bindung, spricht. 
Die Resultate über Untersuchungen der Einwirkung von 
Schwefelkohlenstoff auf die p - Aminotrimethylpiperidine und 
von Jod auf die Thiocarbaminate seien in folgender Weise 
zusammengestellt.
	        
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