XL. EX LIBRO RUFO ARCHIEPISCOPI RIGENSIS.
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leichtfertigkeit der ertzbischoff uragienge, wie er einen langen brieff, voll allerhand neue ertichtete beschwe
ren an ihm geschrieben, und was er ihm drauf geantwortet: imgleichen wie der ertzbischoff die fremden
völcker, und in specie die Schweden zu Salis ins land genommen, welches alles wieder den frieden und Still
stand, zu 10 jahren gemacht, lieff: bath die stände um hülff, rath und beystand, den Sachen in der zeit
abzuhelffen, und weilen der ertzbischoff sich einen fürsten des landes schreibet, so müste der her meister
und sein orden seine knechte sein, so gleichwoll wegen kayserliche und päbstliche Privilegien, die verlet
zet p) würden, sie ihm nicht zustehen könten: Zu dem hatte sich auch ein Böhm q), bey dem ertzbischoff
sich aufhaltend, her vor gethan, und an Haryen und Wyrland geschrieben, darinnen er den her meister gar
ehrenrührig angetastet; begehrte von ihnen declaration, ob sie ihm vor ihren herrn und obersten erkenne-
ten oder nicht? Die gebietigern haben sich bald mit ja resolviret, und die städte Biga uud Keval samt
Haryen und Wyrland Hessen sich vernehmen, dass sie sich über ihm nicht zubeschweren, und was sie ihm
gelobet und versiegelt, das wolten sie fest halten. Als sie nun ferner deliberirten, kamen von der clerisey,
so zu Kowneburg versamlet, gesandten gen Wenden an den her meister und den seinen, welche bathen, das-
er möchte belieben zu ihnen zu den Bircken-Bäumen zu kommen, daselbst würden die Schwedische ge
sandte sich auch einfinden ; der her meister Hess ihnen nach beredung antworten, das er zu den praelaten
nicht gedächte zu kommen, ehe und bevor sie hielten, was sie zugesagt in dem Stillstand zu 10 jahren:
ehe auch die Schweden aus dem lande geschlagen, und der Böhmische lästerer ihm extradiret wäre: das
aber die Schweden gesandten sein solten, wie der ertzbischoff vorgeben Hess, wäre nichts; gesandten kämen
nicht mit wehr und waffen, feldschlangen, grob-geschütz und dergleichen: so wäre bekandt, das der böhmi
sche lästerer, der die Schweden ins land gebracht, ehe er hinaus gezogen, dem her meister und seinen
orden ein entsag-brieff zugeschrieben, und solche pflegten keine gesandten mit sich zubringen. Hat im
übrigen ein schreiben von her Erick Axelson aus Wyburg r), an den voigt und hauptmann zu Narva geschrie
ben, lesen lassen, darin jener diesen avisiret, wie der ertzbischoff von Riga einen, Hennig von Hogenberge
genandt, an den hern gubernatoren in Schweden Steno Stuhr gesandt, und ihm um eine summa volckes
gegen dem orden zuzuschicken gebethen: woraus aller dieser handel grundt gnugsahm abzunehmen. Die
sen bescheid wolten die gesandten nicht zurücktragen, sondern bathen, das der her meister durch die sei
nen dieses hinüber bringen wolte lassen. So der her meister auch gethan. Der her ertzbischoff aber hatte
sich bey den gesandten gantz weiss brennen wollen, sagend, das er den Stillstand gehalten und halten wolte,
hätte auch keine Schweden ins land verschrieben: sie währen gesandte, das würden ihre credentzien aus-
weisen: man solde ihrer 2 oder 3 zum verhör gestatten, so würden sich die Sachen wol finden. Die andern
praelaten haben sich interponiret, das es so weit kommen, das der her meister den bischoff zu Reval s),
landtmarschall und etliche gebietigere, in die 60 pferde starck, gen Rowneburg gesandt, und von dannen
sind aus der clerisey etliche, auch so starck, gen Wenden wieder geschicket worden; dafern man aber
gütliche mittel finden könte von beyden theilen, solte der her meister zu den Birckenbäumen kommen, und
der her ertzbischoff solte sich aldar auch einfinden. Als nun die hine inde abgefertigte mit den praelaten
zusammen kommen, hat der ertzbischoff lesen lassen eine schrifft, darinnen er deduciret, wie er den Still
stand zu 10 jahren gehalten und nachgekommen, der her meister aber denselben gebrochen: gleichfalls ist
des Böhmen schreiben an den hern praelaten, ritter und städte gelesen, darinnen er den hern meister be
schuldiget, das er von ihm ausgesprenget, als wäre er ein verlauffener münch, da er doch zeit seines lebens
an kayserliche und königliche hoffe gedienet, auch solches gnugsahm beweisen wolte, da es nöthig. Zuletzt
ist auch des schwedischen hauptmans, Burchart Hanssons schreiben an praelaten, ritter, und städte gelesen,
drinne vermeldet, das er von hern Sten Stur wegen der reiche Schweden in diese lande geschicket, und
zur Salis angekommen, wie er aber an den hern ertzbischoff als obern dieser lande, seinen weg nehmen wol
len, hab er erfahren müssen, das ihm alle wege durch den hern meister versperret und verhauen; und als
er durch seine bothen geleydt vom orden begehret, sey ihm solches, wieder alle recht der heyden und
türcken, auch verweigert worden. Nichts destoweniger hat er seine Werbungen den ständen dieser lande
schrifftlichen kund machen wollen, das er memlich zu nutz und frommen dieser lande von den reichsräthen
aus Schweden hereingesandt, zu erbauung von friede und eintracht geneigt, und dem hern ertzbischoff und
seiner heiligen kirche zu Riga wieder zuverhelffen zu allem dem, was ihm und seiner kirchen abgedrungen :
denn die reiche Schweden und Dännemarck von päbsten und kaysern zu beschirmer derselbigen kirchen
gesetzet worden, auch durch dieselbe bullen wäre der reichs-rath requiriret, also das er sie, die stände,
anzulangen, das sie fried und eintracht in der güte stifften wolten, oder er würde genöthiget, seinem be
fehle nach, die kirche zu Riga und dero ungehörige zubeschirmen wieder alle, die sie mit gewalt zu unter-
Vnrt . ,, nrleset Wendutn. q) Scilicet ille Henricus von Hoemperge, qui .supra not. h. memoratur et infra in
t + 1 rn'rip in ’‘Henning’ van Hogenberg" deformato, comparet. Scriptor infra in anno 1479 narrat, lmnc Henncum a magistio
“’.‘„“ .t ÄÄ « « fratrem — », ,« • —. «— <*-. “ ’>
Finlandia. s) Simon von der Borcb, frater ipsius magistri ordinis.

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