Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

1. Heinrich der Vogelsteller. 
61 
seiner königlichen Herrschaft zu bringen. Lothringen trat zu 
Frankreich über; Heinrich von Sachsen leistete erfolgreichen 
Widerstand, als der König ihn in seiner Macht beschränken wollte. 
Bon außen machten die Magyaren alljährlich räuberische Züge 
nach Deutschland. Deswegen erkannte Konrad, daß sein Haus zu 
schwach war, das Szepter zu führen, und empfahl vor seinem 
Tode seinem Bruder Eberhard, die deutsche Königskrone nicht 
sür sich und sein Haus zu beanspruchen, sondern sie dem mächtigen 
Sachsenherzog zuzuwenden. In uneigennütziger Weise folgte Eber 
hard diesem Rat, und die deutschen Fürsten wählten den Herzog 
Heinrich von Sachsen zum König. 
Heinrich I. (919-936), den die Boten, welche ihm die Nach 
richt von seiner Erwählung brachten, beim Vogelfang angetroffen 
haben sollen, und der darum später der Finkler oder der Vogel 
steller genannt worden ist, ergriff die Zügel der Regierung mit 
fester Hand. Zunächst brachte er die unbotmäßigen Großen des 
Reiches teils durch Güte, teils durch Gewalt zur Unterwerfung; 
auch Lothringen vereinigte er wieder mit Deutschland. 
Sodann verwandte er seine ganze Kraft auf die Sicherung Deutsch 
lands nach außen. Die furchtbarsten Feinde der deutschen Grenze 
waren die Magyaren. Heinrich versuchte vergebens, sie zurückzu 
schlagen. Sie waren nämlich insgesamt beritten, während die Haupt 
wacht des deutschen Heeres im Fußvolk bestand. Außerdem hatten 
Re Deutschen schwere Streitäxte und Wurfspieße, die Magyaren da 
gegen leichte Bogen und Pfeile als Hauptwaffe. Endlich durch 
streiften die Magyaren als berittene Nomaden mit Leichtigkeit ganze 
Gegenden und plünderten sie, da sie das Land überall offen fanden 
und es wenigstens im Osten und im Innern des Reiches keine be- 
sestigten, mit Mauern umgebenen Städte gab, sondern nur hier und 
da eine Burg. Heinrich erwarb sich das Verdienst, daß er diese 
verschiedenen Umstände, auf denen die Überlegenheit der Magyaren 
beruhte, erkannte und zweckmäßige Maßregeln ergriff, um ihnen zu 
begegnen. Ein glücklicher Zufall verschaffte ihm die dazu nötige 
Ruhe und Zeit. Einer der ungarischen Anführer geriet nämlich 
924 in deutsche Gefangenschaft, und Heinrich gab ihn nur frei unter 
der Bedingung eines neunjährigen Waffenstillstandes, den er freilich 
mit einem jährlichen Tribut erkaufen mußte. 
Diese Zeit benutzte er, um sich auf einen entscheidenden Kampf 
mit dem wilden Volke vorzubereiten. Er legte an den östlichen 
Grenzen des Reiches feste Plätze, Burgen, an und versah sie mit 
Besatzungen, indem er, um die Abneigung der Deutschen gegen um 
mauerte Wohnsitze zu überwinden, von den Dienstmannen auf 
seinen Gütern durch das Los jeden neunten Mann bestimmte, in 
eine solche Burg zu ziehen, während die andern dadurch für dessen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.