Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

IV 
Vorwort. 
es in dem kaiserlichen Erlaß über diesen Unterricht vom Jahre 1890 
mit Recht gefordert wird, durch denselben die großen Männer der 
Vergangenheit nicht bloß als Krieger und Feldherren, sondern 
namentlich auch wegen ihrer friedlichen Thätigkeit und ihres darin 
bekundeten Zusammengehens mit den Volksbestrebungen auf dem 
Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung verehren und 
dadurch die Arbeit für das Wohl anderer als die'höchste sittliche 
Lebensaufgabe kennen und schätzen lernt. 
Wenn somit einerseits aus der Zugrundelegung des angeführten 
Leitgedankens die Aufnahme des umfangreichen kulturgeschichtlichen 
Materials in dem vorliegenden Buche sich erklärt, so wird anderer 
seits durch die in diesem Grundsatz geforderte Einheit der Geschichts 
darstellung zugleich die Art und Weise gerechtfertigt, wie dieses 
Material in den Geschichtsstoff eingefügt worden ist. Da alles 
Kulturleben im Staate und unter dessen unmittelbarem Einfluß ver 
läuft, sowie andererseits fast jede Thatsache der politischen Geschichte 
in ihren letzten Gründen nur aus Volk und Zeit, worin sie geschehen, 
erklärlich ist, so können beide Zweige, politische und Kulturgeschichte, 
auch nur in ihrem nahen Zusammenhange, in ihrer lebendigen 
Wechselwirkung von Grund und Folge recht begriffen und müssen 
daher zu einer einheitlichen Darstellung verbunden werden. Die 
kulturgeschichtlichen Mitteilungen sind darum in dem vorliegenden 
Leitfaden nicht, wie sonst üblich, zusammenhangslos in Form von 
kurzen Übersichten und Notizen den einzelnen Abschnitten der Ge 
schichte angehängt worden; sic sind im Gegenteil so viel wie irgend 
möglich in die Erzählung verflochten und schließen sich an den 
Stellen, wo sich von selbst die Notwendigkeit ergab, sie zu kleinen 
Monographien zu erweitern, doch stets eng an die Vorführung der 
äußeren Entwicklung des Deutschen Reiches und Volkes an. Auf 
den Zusammenhang der kulturgeschichtlichen Entwicklungsreihen unter 
sich ist stets durch geeignete Hinweise aufmerksam gemacht; Sache des 
Lehrers ist cs, die Aufzeigung des darin enthaltenen Fortschrittes 
von der ältesten Zeit an bis auf die Gegenwart, sowie des inneren 
Zusammenhangs zwischen demselben und der äußeren Geschichte vor 
zunehmen, eine vorzügliche Gelegenheit, den sonst so spröden Ge 
schichtsstoff katechetisch zu verarbeiten. 
Die Bestimmung des Buches als Hilfsmittel für die Hand 
des Schülers forderte bei aller Klarheit und Wärme der Darstellung, 
die sich stellenweise an musterhafte Werke anlehnt, doch möglichste 
Kürze. Im Interesse des durch die Verwertung des kulturgeschicht 
lichen Materials bedingten Stoffumfanges mußte darum alles ge 
schichtliche Beiwerk, wie Anekdoten und poetische Ausschmückungen, 
vermieden werden; auch die Schilderungen von Schlachten sind bis 
auf wenige von typischer Bedeutung beschränkt. Die lebensvolle
	        

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