Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

2. Karl der Große. 
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mesten Deutschlands, geschützt durch unermeßliche Wälder und 
Sümpfe, mehr aber noch durch angestammte Tapferkeit, hatte bisher 
l^ber fremden Gewalt getrotzt. Sie haßten die Franken samt ihrer 
-neligion von dem gekreuzigten Gottessohn und sielen wiederholt 
plündernd und mordend in das fränkische Gebiet ein. Auf einer 
Versammlung der Franken zu Worms wurde (772) der Krieg gegen 
die Unruhigen Nachbarn beschlossen. Auf ihres Königs Ruf brachen 
me Franken alsbald in das Sachsenland ein. Karl erstürmte die E r e s - 
bürg. Hier war der Hauptsitz der sächsischen Götter und Priester, 
der Volksfeste und Zusammenkünfte. Dann zog er nördlich und zer 
störte die Irmensäule, ein Heiligtum der Sachsen, und drang 
stegreich bis zur Weser vor, worauf die Feinde um Frieden baten 
unv Geiseln stellten. 
Kaum war Karl in sein Reich zurückgekehrt, so mußte er einen 
oeldzug gegen die Langobarden unternehmen. Karl und Karl- 
Mann waren beide mit Töchtern des langobardischen Königs 
Desiderius verheiratet. Karlmanns Witwe, Gerb er ga, war zu 
lhrcm Vater gestohen und hatte ihn bewogen, die Ansprüche ihrer 
Söhne auf den fränkischen Thron zu unterstützen. Karl überstieg 
mit einem Heere den Mont Cenis, schlug die Langobarden und 
belagerte ihre Hauptstadt Pavia 7 Monate lang. Als sie einge 
nommen war, wurde Desiderius in ein Kloster geschickt, und Karl 
ueß sich die lombardische Krone aufsetzen. 
Während seiner Abwesenheit hatten sich die Sachsen unter ihrem 
tapferen Herzog Widukind aufs neue erhoben, die Eresburg wieder 
Angenommen und die fränkischen Besatzungen aus dem Lande ver 
trieben. Schnell erschien Karl und drang siegreich über die Weser 
bis an die Ocker vor. Als er aber wieder gegen die Langobarden 
stehen mußte, eroberten die Sachsen von neuem die Burgen und 
vertrieben die Besatzungen. Abermals führte Karl seine Heerhaufen 
nach der Weser, brachte die Aufständischen zum Gehorsam und hielt 
mitten im Sachsenlande 777 einen Reichstag zu Paderborn ab, 
auf welchem eine große Anzahl vornehmer Sachsen zur Huldigung 
und zur Taufe erschienen. 
In Paderborn erschienen auch maurische Fürsten aus Spanien, 
bie den mächtigen Karl um Hilfe gegen den Emir von Kordova 
baten. Karl brach 778 an der Spitze seines Heeres auf und be 
mächtigte sich des Landstriches von den Pyrenäen bis zum Ebro, 
oen er unter dem Namen spanische Mark zu seinem Reiche 
fugte. 
Nicht so glücklich war Karl bei dem Heimzuge. Er selbst war 
mit dem Hauptheere schon über das Gebirge, während die Nachhut, 
mit Gepäck und Beute beladen, langsam folgte. Da stürzten im 
Shale Ronceval die feindlichen Bergbewohner aus den Schluchten 
Böe, Deutsche Geschichte. 4
	        
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