Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

48 II. Das Mittelalter. A. Entstehung des Deutsches Reiches. 
Majordomuswürde.' Diese war jetzt zu einer solchen Bedeutung 
gelangt, daß Pipin daran denken konnte, im Einverständnis mit den 
fränkischen Großen das Schattenbild des Merowingerkönigs zu 
stürzen und zu der Macht eines Königs auch den Titel zu erwerben. 
Dazu suchte er die Zustimmung des Bischofs von Rom zu erhalten. 
Dieser strebte danach, über alle anderen Bischöfe der Christenheit 
eine gewisse Oberhoheit zu erlangen; er nannte sich Papst und den 
Nachfolger Petri, des ersten Statthalters Christi auf Erden. Seit 
dem die Langobarden Italien erobert hatten, waren aber die römischen 
Päpste in ihrer Stadt Nom, die dem Namen nach immer noch dem 
oströmischen Reiche Unterthan geblieben war, oft in harte Bedräng 
nis geraten; von Konstantinopel her erhielten sie keinen Schutz, und 
die Langobarden drohten, Rom ihrem Reiche einzuverleiben. Zn 
dieser Not suchte der Papst Z a ch a r i a s die Freundschaft der Franken, 
und als nun Pipin denselben durch eine Gesandtschaft fragen ließ, 
ob derjenige König sei, der nur den Namen führe, oder der, welcher 
die Mühen und Lasten der Regierung trage, da entschied der Papst 
zu Gunsten Pipins, um sich ihn zum Freund zu machen. Auf 
Grund dieser kirchlichen Entscheidung wurde Pipin von den Franken 
im Jahre 752 jubelnd auf den Schild gehoben ; die Bischöfe des 
Reiches salbten ihn zum Könige, und der letzte Merowinger, 
Childcrich III., wurde, nachdem man ihm die Königslocken abge 
schnitten, in ein Kloster geschickt. 
Pipin erwies sich dem Papste dankbar für seinen Beistand. Er 
ließ ihm seinen mächtigen Schutz angedeihen, zog zweimal gegen die 
feindseligen Langobarden und entriß ihnen mehrere Landschaften, 
die er dem Papste schenkte. Dadurch wurde der Grund zu der 
weltlichen Besitzung des Papstes, dem Kirchenstaat, gelegt. l6 Jahre 
lang herrschte Pipin mit Kraft und Weisheit über das Frankenreich, 
das er bei seinem Tode 768 seinen beiden Söhnen Karl und Karl 
mann hinterließ. 
3. Karl der Große. 
Karl der Große (768—814) bestieg nach dem Tode seines 
Vaters, 26 Jahre alt, den Thron der Franken. Anfänglich regierte 
er mit seinem Bruder Karlmann gemeinschaftlich; als dieser aber 
schon nach drei Jahren starb, erhielt er mit Übergehung der 
Söhne Karlmanns durch Beschluß der Großen das ganze Reich und 
wurde so Alleinherrscher. Sein Zweck war die Vereinigung 
aller Völker des Abendlandes zu einem christlichen 
Staate. 
In diesem Sinne war sein Hauptwerk die Bekehrung und 
Unterwerfung der Sachsen. Dieses alte mächtige Volk im Nord-
	        
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