Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

1. Karl Martell und Pipin der Kurze. 
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mählich ganz Nordafrika erobert und waren von hier über die Meer 
enge von Gibraltar nach Spanien hinübergekommen, wo sie das 
Westgotenreich 711 gestürzt hatten. Jetzt galt ihr Angriff unter 
Anführung Abderrahmans dem Frankenreiche. Sie hatten be 
reits die Pyrenäen überschritten und einen großen Teil des südlichen 
Galliens erobert. Ähnlich, wie einst die Hunnen, verbreiteten sie 
Schrecken und Verwüstung, wohin sie kamen; seit Alarichs Zeiten 
hatte das Abendland keine so große Gefahr gesehen. Da bot der 
Majordomus Karl die fränkischen Lehnsträger zum Kampfe gegen 
die Eindringlinge auf und stellte sich ihnen bei Tours und Poitiers 
732 gegenüber. Es kam zu einer Schlacht von ähnlicher Bedeutung 
wie diejenige auf den catalaunischen Feldern; wie hier der Ent 
scheidungskampf zwischen heidnischer Barbarei und christlicher Ge 
sittung geschlagen war, so sollte jetzt entschieden werden, ob fortan 
der Islam oder das Evangelium im Abendlande herrschen sollte. 
Sieben Tage lang dauerte das Ringen; endlich behauptete Karl, 
den man seitdem Martell (d. i. Hammer) nannte, den Sieg; er 
trieb die Araber über die Pyrenäen zurück. 
Nach Karls Tode übernahm sein Sohn Pisiin der Kurze die 
Allah, dem höchsten Gott, geoffenbart, daß dieser ihn zu seinem Propheten 
nusersehen habe. Anfangs fand er nur wenig Anhänger; er mußte sogar vor 
den Verfolgungen seiner Gegner aus seiner Vaterstadt nach Medina fliehen. 
Mit dieser Flucht (Hedschra) im Jahre 022 beginnen die Muhamedaner 
ihre Zeitrechnung. In Medina mehrte sich Muhameds Anhang. Bald konnte 
er als Sieger in Mekka einziehen, und nun unterwarf sich in kurzer Zeit ganz 
Arabien der neuen Lehre, dem Islam (Ergebung in Gottes Willen). Das 
heilige Buch des Islam ist der Koran, welcher in 114 Psalmen oder Suren 
eingeteilt wird. Der oberste Glaubenssatz heißt: Allah ist Gott, und Muha- 
wed ist sein Prophet. Über jeden Menschen waltet ein unabänderliches Ge 
schick, das Fatum; die heiligste Pflicht der Bekenner des Islam, der Mos 
lemin oder Muselmänner (Gläubigen), ist, für ihre Lehre mit Feuer und 
Schwert zu kämpfen; wer in diesem Kampfe fällt, dem sind die ewigen Freuden 
des Paradieses, das Muhamed als einen Ort aller sinnlichen Freuden 
ausmalte, gewiß. Die Vorschriften über den äußeren Gottesdienst lehnten sich 
an die alten Gebräuche des Morgenlandes an. An dem heiligen Wochentag, 
dem Freitag, versammeln sich die Gläubigen in der Moschee, von deren 
Zinnen die Derwische zu bestimmten Tagesstunden zum Gebet rufen. Die 
Beschneidung, sowie die Vielweiberei wurden eingeführt, dagegen der Genuß 
des Schweinefleisches und des Weines verboten. Gute Werke, Fasten, Beten 
und Almosengeben, wurden als Gott wohlgefällig besonders gepriesen. — Nach 
Muhameds Tode setzten seine Nachfolger, die Kalifen, die Ausbreitung des 
Islam fort. In raschem Siegesläufe unterwarfen sie Ägypten, Syrien, 
Persien, Nordafrika und setzten von hier unter Tarik 711 nach Spanien 
hinüber, wo sie sich der Felsenhöhe an der Meerenge bemächtigten und eine 
Stadt gründeten, die nach dem Eroberer den Namen Gibraltar (Gabel al 
Tarik, d. i. Felsen des Tarik) erhielt. Von hier aus unterjochten sie ganz 
Spanien, nachdem sie die Westgoten in der blutigen Schlacht bei Xeres de 
la Frontera besiegt hatten.
	        

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