1. Wiederaufrichtung u. Verfassung des neuen Deutschen Reiches. 313
konischen Parteien; für Deutschland aber waren die furchtbaren
Opfer (113000 Tote und Verwundete) nicht umsonst gebracht
wurden.
6. Aas neue Deutsche Weich.
1. Wie-eranfrichtung und Verfassung des neuen Deutschen
Reiches.
Durch den glorreichen Krieg von 1870—18^1 war alle Schmach,
die Deutschland seit Jahrhunderten von Frankreich erlitten, gesühnt,
und alle Gebietsteile, die dieses im Laufe der Zeiten an sich ge
rissen hatte, waren zurückgewonnen. Aber die köstlichste Frucht der
gewaltigen Opfer, welche die deutschen Staaten in diesem Kriege
gebracht hatten, war die Wiederaufrichlung des Deutschen Reiches.
Schon als der heilige Krieg der Vaterlandsverteidigung begann,
regte sich mächtig in aller Herzen der Gedanke, daß die Main-
iinie fortan Deutschland nicht mehr in Nord und Süd teilen dürfe,
sondern daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, die lang entbehrte
Eintracht herbeizuführen und derselben eine verfassungsmäßige
Grundlage zu geben. Als daher nach Siegen ohne Beispiel das
einträchtig und einheitlich geführte deutsche Heer die französische
Hauptstadt einschloß und der greise königliche Oberbefehlshaber seine
Wohnung in dem alten Prunkschloß der französischen Könige zu
Versailles aufgeschlagen hatte, da erschienen Bevollmächtigte
der süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Hessen
und Baden im deutschen Hauptquartier, um darüber zu ver
handeln, daß der Bund, der bisher die deutschen Staaten nördlich
des Main umfaßte, auch auf die süddeutschen Staaten ausgedehnt
werde. Als dann die hier geschlossenen Verträge genehmigt waren,
da war in der That das Deutsche Reich wieder hergestellt. Aber
Fürsten und Völker begnügten sich damit nicht; sie wollten auch das
Wahrzeichen des alten Reiches, das Kaisertum, wieder aufge
richtet wissen. Als daher die Fürsten und freien Städte Deutsch
lands auf Anregung des hochherzigen, vaterländisch gesonnenen Königs
Ludwig II. von Bayern und im Verein mit diesen der nord
deutsche Reichstag als Vertreter des Volkes den König Wil
helm von Preußen baten, die deutsche Kaiserkrone anzunehmen,
und als der Jubel, welchen diese Nachricht im Volke erregte, und
die freudige Zustimmung des für die Verwirklichung des deutschen
Einheilstraumes begeisterten edlen Kronprinzen Friedrich Wil
helm diese Bitte lebhaft unterstützten: da war es in der That nur
die Erfüllung einer „Pflicht gegen das gemeinsame Vaterland", als
König Wilhelm die seit mehr als sechzig Jahren ruhende deutsche

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