Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

312 IV. Die neueste Zeit. B. Das zweite Interregnum. 
sämtlich mit Verlust zurückgeschlagen wurden, hatten die Deutschen 
endlich während der Weihnachtstage vor dem größten der Forts, 
dem Mont Avron, 76 gewaltige Geschütze aufgestellt. Nun be 
gann die Beschießung der befestigten Anhöhe mit solchem Erfolg, 
daß schon zwei Tage später die Franzosen die wichtige Stellung 
räumten, die sofort von den Sachsen besetzt wurde. Der Feuer 
kreis zog sich nun immer enger um die Stadt. Der Kanonendonner 
rollte Tag und Nacht. Auch in die innere Stadt schlugen bereits 
Granaten ein. Die Aufregung in der Bevölkerung wuchs dadurch 
zu einem hohen Grabe. Dieselbe verlangte einen Massenausfall, 
und die drohende Hungersnot, die feindlichen Geschosse, die Gährung 
unter den Anhängern der roten Republik drängten zu einem ent 
scheidenden Schritt. Do wurde denn das Wagnis am 19. Zanuar 
unternommen. Über 100000 Mann zogen unter dem Schutze des 
Mont Valerien zum Entscheidungskampfe hinaus, aber nach sieben- 
stündigem, furchtbarem Kampfe wurde der Angriff von den Be 
lagerungstruppen zurückgeschlagen. Da gab man endlich den nutz 
losen Widerstand auf. Paris, das Hauptbollwerk Frankreichs, 
fiel nach viermonatlicher Belagerung, indem am 2 8. Januar ein 
Waffenstillstand abgeschlossen wurde, der die Übergabe von Paris 
zur Folge hatte, worauf ein Teil der deutschen Armee den Sieges 
einzug in die Stadt hielt. 
Damit war dieser Krieg ohnegleichen, wie ihn die Weltge 
schichte noch nicht erlebt hatte, beendet. Am 2 6. Februar 1871 
einigte man sich über die einstweiligen Friedensbedingungen, die am 
10. Mai im Frieden zu Frankfurt a. M. endgültig festgesetzt 
wurden. Die letzte der königlichen Depeschen ans Frankreich nach 
dem Abschluß der Friedenspräliminarien enthielt den Dank an Gott, den 
Herrn, an das Vaterland und die Armee. „Soweit ist nun das 
große Werk vollendet, das durch siebenmonatliche, siegreiche Kämpfe 
errungen wurde, Dank der Tapferkeit, Hingebung und Ausdauer 
des unvergleichlichen Heeres in allen seinen Teilen und der Opfer 
freudigkeit des Vaterlandes. Der Herr der Heerscharen hat über 
all unsere Unternehmungen sichtlich gesegnet und daher diesen ehren 
vollen Frieden in Seiner Gnade gelingen lassen; Ihm sei die Ehre! Der 
Armee und dem Vaterlande mit tief erregtem Herzen Meinen Dank!" 
Elsaß mit Ausnahme von Belfort, sowie Deutsch- 
Lothrittgen mit Metz kamen durch den Friedensschluß an Deutsch 
land; Frankreich mußte außerdem 5 Milliarden (4000 Millionen) 
Mark Kriegskosten bezahlen, bis zu deren Entrichtung deutsche 
Truppen einen Teil des Landes besetzt halten sollten. Zm Sep 
tember 1873 war die Schuld bezahlt, und die letzten deutschen Sol 
daten kehrten aus Frankreich in ihre Heimat zurück. Frankreich er 
langte den inneren Frieden erst nach blutigen Kämpfen der republi-
	        

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