Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

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IY. Die neueste Zeit. B. Das zweite Interregnum. 
würden. So kam es zu der entscheidenden Schlacht bei Gravelotte 
am 18. August, durch die das französische Heer von 130 000 Mann 
in die Festung Metz zurückgeworfen und von den deutschen Truppen 
umstellt wurde. Die Schlacht tobte vom Mittag bis in die sinkende 
Nacht. Die Franzosen, durch sichere Stellungen auf den Höhen und 
in den Gräben gedeckt, fochten mit dem Mute der Verzweiflung 
und sandten Tod und Verderben in die Reihen der Stürmenden. 
Entsetzlich wütete der Kampf um das Dorf St. Privat, in wel 
chem sich die Franzosen verschanzt hatten. Zuletzt gelang es der 
todesmutigen Tapferkeit der Garden und Sachsen, durch eine 
Schwenkung die Gegner aus ihrer Stellung zu werfen. Von den 
Höhen bei Gravelotte aus bedrohten die Franzosen den rechten 
Flügel der Deutschen in bedenklicher Weise; sie drängten sogar 
einzelne Truppenteile zur Flucht. Als aber die sehnlich erwarteten 
Pommern unter Führung Franseckys anlangten und mit klin 
gendem Spiele die Höhen von Gravelotte nahmen, da konnte 
Moltke dem Könige melden: „Majestät, die Schlacht ist entschieden; 
der Sieg ist unser." Zn diesen drei Schlachten hatten die Deutschen > 
und Franzosen über 70 000 Mann durch Tod oder Verwundung 
eingebüßt. Dem Kaiser Napoleon und seinem Sohne war es ge 
lungen, mit kleinem Gefolge auf Nebenwegen sich nach Chalons 
zu retten, wohin sich Mac Mäh on mit den Trümmern seiner ge 
schlagenen Armee begeben hatte. Straß bürg und Metz, die zur 
Zeit der deutschen Zerrissenheit durch List und Gewalt dem Reiche 
geraubt worden waren, wurden jetzt mit einem eisernen Gürtel um 
schlossen, durch den kein Entrinnen möglich war. Mit der Be 
lagerung von Straßburg wurde der General Werder, mit der 
von Metz Prinz Friedrich Karl beauftragt und zu dem Zweck 
mit seiner Armee der größte Teil der Steinmetzschen Truppen 
vereinigt. Aus den übrigen Armeekorps wurde die vierte 
(Maas-) Armee gebildet und unter den Befehl des Kronprinzen 
Albert von Sachsen gestellt, um einen neuen Plan des Feindes zN 
vereiteln. 
Der Marschall Mac Mahon hatte nämlich den kühnen, aber 
gewagten Entschluß gefaßt, durch einen Zug von Chalons aus 
nach Nordosten den Deutschen in den Rücken zu fallen, Bazaine 
die Hand zu reichen und ihn aus seiner Falle zu befreien. Der 
Plan wurde den deutschen Heerführern bald klar; die dritte Armee 
unterbrach daher ihren westlichen Marsch gegen Paris, um i» 
Verbindung mit der Maas-Armee Mac Mahon zu folgeN- 
Nun zog sich der Kampf in das Flußgebiet der Maas, wo sich die 
unermeßlichen Heeresmasscn auf engem Raume zusammendrängte» 
und der entscheidende Schlag geführt wurde. Durch das siegreiche 
Treffen der Deutschen bei Beaumont am 30. August wurde das
	        

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