Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

20 
I. Die älteste Zeit. A. Urgeschichte. 
den Römern vor längerer Zeit ein Schutz- und Trutzbündnis ge- * 
schlossen hatten. Bei Noreja (in der Nähe des heutigen Klagen- i 
fürt in Kärnten) schlugen die Cimbern das gegen sie aus- j 
gesandte römische Heer, wandten sich dann aber merkwürdigerweise s 
wieder rückwärts, vereinigten sich mit den Helvetiern, den Be- I 
wohnern der heutigen Schweiz, und folgten dem westlichen Heer- j 
Haufen nach dem südlichen Gallien, das sie verwüsteten. Hier 
vernichteten sie gemeinsam im Laufe mehrerer Jahre fünf römische 
Heere. Da übertrugen die geängstigten Römer den Oberbefehl 
dem Feldherrn Marius, der sein Heer durch unermüdliche Übungen 
zum Kampfe geschickt machte und au den entmutigenden Eindruck : 
zu gewöhnen suchte, den die Gestalt der Feinde und ihre ungewohnte z 
Kampfesart auf die Römer machten. Dann bezog er ein festes s 
Lager an der Rhone und wartete den Augenblick ab, wo er die 
Feinde mit Aussicht auf Erfolg angreifen konnte. Voll Übermut 
ließen die Germanen das römische Lager im Rücken; die Teutonen 
brachen nach Süden auf, um über die Seealpen nach Italien zu 
gelangen, während die Cimbern ostwärts zogen und durch das Thal 
der Etsch in Oberitalien einbrachen. Marius folgte den Teutonen und 
brachte ihnen unter Teutobod bei Aquä Sextiä (Aix in der 
Provence) im Jahre 102 v. Chr. in einer zweitägigen Schlacht eine 
vollständige Niederlage bei. Darauf vereinigte er sich mit dem 
römischen Feldherrn Catulus, der sich mit seinem Heere vor den 
Cimbern über den Po zurückgezogen hatte, und besiegte diese unter 
Bo jo rix bei B ercellä auf der raudischen Ebene im Jahre 
darauf. Was nicht getötet wurde, geriet in die Gefangenschaft der 
Römer. 
l>. Gäsar in Gallien. 
Ein halbes Jahrhundert nach der Niederlage der Cimbern und 
Teutonen kamen andere germanische Völkerschaften mit den Römern 
am Rhein in feindselige Berührung. Ein keltischer Stamm in 
Gallien, der mit den Römern verbündet war, hatte zum Schutze 
gegen feindliche Grenznachbarn Germanen zu Hilfe gerufen. Diese 
kamen, 120000 Mann stark, unter ihrem Anführer Äriovi st über 
den Rhein und benutzten die Ohnmacht der Gallier, um ihnen einen 
Teil ihres Landes abzunehmen und sich dort anzusiedeln. Die 
Gallier wandten sich an Cäsar, der um diese Zeit als Statthalter 
mit einem Heere in der römischen Provinz stand, und dieser forderte 
von Ariovist, keine weiteren germanischen Scharen über den Rhein 
kommen zu lassen. Als diese Forderung verworfen wurde, kam es 
zu einer Schlacht nicht weit von dem heutigen Besänyon (58 v. 
Chr.). Ariovist erlitt eine völlige Niederlage und floh mit dem 
Reste seiner Scharen über den Rhein zurück. Nachdem Cäsar so-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.