Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

2. Die ersten Freiheitskämpfe. 
283 
lag, Unterhandlungen mit Kaiser Franz von Österreich über 
den Beitritt zum Bunde angeknüpft. Auf seinen Wunsch wurde ein 
sechswöchiger Waffenstillstand geschlossen, der aber vom 4. Juni 
bis 16. August dauerte. Im Volke war man über diesen Waffen 
stillstand voll Unwillen, da man fürchtete, es könne daraus ein 
Friede werden, ohne daß die Fremdherrschaft abgeschüttelt war; 
man wollte lieber bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, als mit 
dem Feinde einen Vertrag schließen. Aber währenddessen be 
mühten sich die Verbündeten unablässig, ihre Macht zu verstärken. 
Erst jetzt wurde das preußische Heer vollständig; aus allen Provinzen 
traten die Landwehren zusammenfand das Kriegsmaterialwurde ergänzt. 
Neue russische Heeresmassen rückten heran, und endlich war es 
gelungen, Österreich in das Bündnis zu ziehen. Dies war die 
letzte That des edlen Scharnhorst, der bald darauf seinen bei 
Groß-Görschen empfangenen Wunden erlegen war. Auch Schweden 
trat dem Bunde bei und schickte ein Heer von 24000 Mann unter 
dem Kronprinzen Bernadotte nach Deutschland. 
Nach Ablauf des Waffenstillstandes stellten die Verbündeten 
ihre Streitkräfte, die durch den Beitritt Österreichs und Schwedens 
auf mehr als 500 000 Mann angewachsen waren, in drei Armeen 
aus. Die Hauptarmee unter dem österreichischen Feldmarschall 
Fürst Schwarzenberg, der zugleich Öberbefehlshaber über die 
sämtlichen Streitkräfte war, stand in Böhmen; hier befehligte 
Kleist die Preußen und Wittgenstein die Russen. Die schle 
sische Armee, bei der Pork die Preußen und Langeron und 
Sacken die Russen befehligten, stand unter Blücher und die Nord- 
armee unter Bernadotte in Brandenburg; bei letzterer wurden 
die Preußen von Bülow und Tauen zien, die Russen von 
Winzige rode befehligt. In einem großen Halbkreise also um 
gaben von Norden, Östen und Süden die Verbündeten Napoleon, 
der den Mittelpunkt seiner Stellung bei Dresden genommen und 
seine 440000 Mann gleichfalls in drei Heere geteilt hatte; mit 
90 000 Mann sollte Oudinot Berlin nehmen, mit 80000 Mann 
Dkacdonald den Blücher vernichten, und er selbst wollte sich mit 
der Hauptmacht gegen die Hauptarmee der Verbündeten wenden. 
Der Marschall Oudinot war bereits bis Grofzbeeren, zwei 
Meilen von Berlin, vorgedrungen, ohne daß Bernadotte an eine 
Verteidigung der preußischen Hauptstadt dachte. Er erteilte nach 
kurzem Kampfe den Befehl zum Rückzüge, und auch der französische 
General glaubte, daß das Gefecht beendet sei. Da griff am Abend 
des 23. August Bülow auf eigene Hand mit seinen Preußen die 
Feinde an, und obwohl die Truppen völlig ermüdet und vom un 
aufhörlichen Regen durchnäßt waren, jagten sie die Franzosen 
dennoch mit unwiderstehlicher Gewalt in einem dreistündigen Kampfe
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.