Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

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lY. Die neueste Zeit. A. Die Befreiungskriege. 
geschlagen," sang man im Volke, und in die flammende Begeisterung 
fiel als zündender Strahl die erste befreiende That eines Mannes, 
der für sein Vaterland glühte. 
Der Befehlshaber der preußischen Armee, General Jork, hatte 
nämlich auf eigene Hand am 30. Dez. 1812 mit den Russen die 
Konvention von Tauroggen geschlossen, durch welche er 
seine Truppen von Napoleons Heer trennte und sich zur Einstel 
lung der Feindseligkeiten verpflichtete. Friedrich Wilhelm, in seiner 
Hauptstadt von französischen Spähern umgeben, mußte zwar Jork 
für abgesetzt erklären, um nicht voreilig das Land in einen Krieg 
zu stürzen; aber bald schlugen die Herzen des ängstlich harrenden 
Volkes freier und höher, als es bekannt wurde, daß der König 
Ende Januar 1813 seine Residenz nach dem vom Feinde unbesetzten 
Breslau verlegt hatte. Von hier aus forderte er am 3. Februar 
die preußische Jugend zur Bildung von Freiwilligenkorps auf. 
Zwar war der Feind, dem es galt, nicht genannt; aber jedermann 
verstand den König. Und nun sollte sich die Wahrheit des Dichter- 
wortes beweisen: „In Fährden und in Nöten zeigt erst das Volk 
sich echt; drum soll man nie zertreten sein gutes, altes Recht." 
Preußens Volk lohnte seinem edlen König die Rechte und Freiheiten, 
die er demselben geschenkt, mit begeisterter Dankbarkeit. Thränen 
der Rührung im Auge, sah Friedrich Wilhelm wenige Tage nach 
seinem Aufrufe von dem Fenster seines Schlosses in Breslau eine 
unübersehbare Reihe von Wagen aus Berlin anlangen, von denen 
ihm die Freiwilligen, Studenten, Gymnasiasten, Turner, entgegen 
jubelte». „Meine Sache ist die Sache meines Volkes" konnte er 
sprechen. Im Vertrauen auf sein kampfesfreudiges Volk schloß er 
am28.Februar zu Kalisch ein Bündnis mit Rußland zur Wieder 
herstellung der Freiheit; am 10. März, dem Geburtstage der ver 
storbenen Königin Luise, wurde der Orden des „Ei fernen Kreuzes" 
gestiftet, und am 17. März erfolgte der denkwürdige „Aufruf 
an mein Volk" von Friedrich Wilhelm, in dem er u. a. sagte: 
„Wir erlagen der Übermacht Frankreichs; der Friede schlug 
uns tiefere Wunden als selbst der Krieg. Jetzt ist der Augen 
blick gekommen, wo alle Täuschung aufhört. Brandenburger, 
Preußen, Schlesier, Pommern, Litauer! Ihr wißt, was euer 
trauriges Los sein wird, wenn wir den Kampf nicht ehrenvoll 
endigen! Große Opfer werden von allen gefordert werden; denn 
unser Beginnen ist groß und nicht gering die Zahl und Mittel 
unserer Feinde. Aber welche Opfer auch gefordert werden, sie wiegen 
die heiligen Güter nicht auf, für welche wir sie hingeben, für die 
wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, 
Preußen und Deutsche zu sein. Es ist der letzte, entscheidende Kampf, 
den wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unseren
	        

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