Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

260 III- Die neue Zeit. Gr. Das Ende des alten Deutschen Reiches. 
deutschen Volkes gegen so wahnsinnige Verirrungen. Man erkannte 
die Wahrheit des Dichterwortes: „Wenn sich die Völker selbst be 
frein, da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn." 
Am wenigsten war in dem Staate Friedrichs des Großen der 
Ausbruch einer revolutionären Bewegung zu fürchten. Gleich die 
erste Regierungshandlung Friedrich Wilhelms II. war geeignet ge 
wesen, ihm die Herzen seiner Unterthanen zu gewinnen;, denn er 
schaffte die im ganzen Lande verhaßte Regie ab und entließ alle 
französischen Beamten. Deutsche Gelehrte und Dichter zog er viel 
fach an seinen Hof. Sein größtes Verdienst aber besteht in seiner 
Sorge für die Erziehung seines Volkes. Er gründete eine große 
Zahl von Volksschulen und sorgte namentlich durch Errichtung von 
Lehrerseminarien für geeignete Lehrkräfte. Zur Überwachung aller 
Lehranstalten des Staates bildete er das „Oberschulkollegium" in 
Berlin. Leider ließ er sich allzusehr von Weibern und Günstlingen 
beeinflussen; an seinem Hofe begannen^ bald Leichtsinn und Genuß 
sucht zu herrschen; der wohlgefüllte Schatz Friedrichs des Großen 
war in kurzer Zeit erschöpft, und Schulden traten an die Stelle. 
Auch die Tüchtigkeit des Heeres war herabgemindert, wie sich das 
in den folgenden Kämpfen bald herausstellte. 
Im Sommer 1792 überschritten 50 000 Mann Preußen unter 
dem Oberbefehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig 
die französische Grenze. Die Folge davon war, daß ganz Frank 
reich sich zum Kampf wider die „Feinde der Freiheit" rüstete. Die 
Preußen waren nach der Eroberung der Festungen Longwy und 
Verdun bis Valmy vorgedrungen. Hier stellten sich ihnen die 
Franzosen unter Dumouriez und Kell ermann in den Weg; 
nach einem fruchtlosen Kampf ging Ferdinand, da mittlerweile Seu 
chen in seinem Heere ausgebrochen waren, über den Rhein zurück; 
Ma inz fiel in die Hände der Franzosen, und der „militärische Spazier 
gang", wie man den Feldzug ini Sicherheitsgefühl der Ruhmes 
thaten Friedrichs d. Gr. prahlerisch genannt hatte, verlief resultatlos. 
Im folgenden Jahre (1793) traten die meisten europäischen Staaten, 
England, Holland, Spanien, Portugal, Sardinien, Öster 
reich und Preußen, entrüstet über die Ermordung Ludwigs X VI-, 
zu der erstcnKoalition (Verbindung) gegen Frankreich zusammen- 
Die Preußen drangen in die Pfalz ein, eroberten Mainz wieder und 
besiegten die Franzosen bei K a i s e r s l a u te r n. Auch im nächsten Jahre 
fochten sie glücklich und schlugen die Feinde in einem neuen Treffen bei 
Kaiserslautern. Dagegen wurden die Österreicher von den Fran 
zosen geschlagen; diese eroberten Holland und verwandelten es in die 
batavische Republik. Jetzt zog sich Preußen von dem Bündnis zu 
rück und schloß mit der französischen Republik den Frieden von Basel 
1795, worin es alle Besitzungen auf dem linken Rheinufer verlor.
	        

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