Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

1. Der Kampf gegen die französische Revolution. 
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damit noch nicht zufrieden, bildete sich eine offen republikanische 
Partei, die Jakobiner, welche auf gänzliche Abschaffung des 
Königtums hinzielten, und dies veranlaßte Ludwig 1791, einen Flucht 
versuch zu machen, der aber mißlang; er wurde ergriffen und in 
leinem Palast zu Paris gefangen gehalten. 
Jetzt gewannen die wildesten unter den Jakobinern, die Partei 
des „Berges," die Oberhand; viele Tausende der in den Gefäng 
nissen schmachtenden königlich Gesinnten wurden ermordet, der König 
wurde in den sog. Temple gefangen gesetzt und Frankreich zur 
Republik erklärt (21. Sept. 1 792). Der Nationalkonvent 
nahm jetzt die Regierung in die Hand; er schaffte das Christen 
tum ab, setzte die Vernunftreligion an dessen Stelle und krönte 
endlich sein scheußliches Werk mit der Hinrichtung des Königs 
(21. Fan. 17 93) und bald darauf auch seiner Gemahlin, Maria 
Antoinette, einer Tochter Maria Theresias. 
Nun kannte die Blutgier der Jakobiner keine Grenzen mehr. 
Unter Robespicrre, Danton und Marat wurde ein „Wo hl- 
sahrts ausschu ß" gebildet, der über Leben, Freiheit und Eigen 
tum der Bürger mit unbeschränkter Willkür schaltete und eine furcht 
bare Schreckensherrschaft einführte, unter welcher zahllose Freunde 
der Ordnung hingeschlachtet wurden. Nachdem auch Danton auf 
der Guillotine geendet und der blutdürstige Marat durch den Dolch 
sines jungen Mädchens, dessen Verwandle er hingemordet hatte, ge 
lallen war, herrschte noch kurze Zeit Robespierre allein wie ein 
Tyrann über das arme Land, das Ströme von Blut rinnen sehen 
i wußte, bis endlich auch der Kopf dieses Unmenschen unter dem Henker 
beil fiel. Jetzt wurde die Bewegung in ruhigere Bahnen geleitet; 
sine Direktorialregierung, aus fünf Mitgliedern bestehend, 
suchte Ruhe und Ordnung im Lande wieder herzustellen. 
Die deutschen Fürsten hatten gleich anfangs mit Besorgnis auf 
die wachsende Bewegung in Frankreich geblickt, von der sie fürchteten, 
daß sie auch in ihre Länder Eingang finden könnte. Die beiden 
wächtigsten unter ihnen, der Kaiser Leopold II. (1790—1792), der 
leinem Va^r, Josef II., in der Regierung gefolgt war, und der 
König Friedrich Wilhelm II. von Preußen schlossen daher 
b?91 zu Pillnitz in Sachsen zum gemeinsamen Schutz des durch 
die Revolution bedrohten Königtums ein Bündnis, das von Leopolds 
Sohn und Nachfolger, Franz II. (1792—1806), später erneuert 
wurde. Freilich war in Deutschland die Bewegung anfangs auch 
nicht spurlos vorübergegangen. Die neuen Gedanken von bürger 
licher Freiheit und brüderlicher Gleichheit fanden die lebhafteste Teil 
nahme. Als aber die Greuelthaten der Jakobiner bekannt wurden 
und die Ströme unschuldigen Blutes, selbst des wohlwollenden 
Königs, zum Himmel schrieen: da empörte sich der gesunde Sinn des
	        

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