Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

2. Die schlesischen Kriege. 
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sicher auch Schlesien wieder in Gefahr kam. Er verbündete sich 
deswegen mit dem Kaiser und begann den zweiten schlesischen 
Krieg (1744—1745), indem er mit 80 000 Mann in Böhmen 
einfiel und Prag einnahm. Doch mußte er wegen Mangel an 
Borräten nach Schlesien zurückweichen. Dahin folgten ihm die 
Österreicher; Friedrich griff sie bei Hohenfritdberg 1745 an, erfocht 
einen glänzenden Sieg und brachte ihnen bald darauf bei Sorr in 
Böhmen noch eine zweite Niederlage bei. Nachdem gegen Ende des 
Jahres der „alle Dessauer" die verbündeten Österreicher und Sachsen 
dei Kcsselsdors unweit Dresden geschlagen hatte, erfolgte der Ab 
schluß des Dresdener Friedens, worin Friedrich im Besitz 
Schlesiens bestätigt wurde. 
Karl VII. war mit Hilfe Friedrichs kaum in seine Hauptstadt 
München zurückgekehrt, als er starb. Sein Sohn entsagte im Frie 
den von Füssen dem österreichischen Erbe und erkannte den Ge 
wühl Maria Theresias, Franz 1. (1745—1765), als Kaiser an. 
Durch den Frieden von Aachen 1748, in welchem auch Frank 
reich die pragmatische Sanktion anerkannte, wurde der österreichische 
Erbfolgekrieg beigelegt. 
Friedrich, der inzwischen auch Ost friesland auf Grund der 
kaiserlichen Zusicherung an seinen Großvater in Besitz genommen 
hatte, sorgte jetzt auf alle Weise für die Hebung des Wohlstandes 
in seinen Ländern. Ganz besondere Sorgfalt widmete er der schönen, 
neuerworbenen Provinz Schlesien, die durch Mißregierung tief ver 
fallen war. Bald hob sich der Ackerbau; es entstanden viele Fab 
riken, an denen Schlesien jetzt so reich ist; die Bevölkerung (1 1 / 2 
Millionen auf 700 Quadratmeilen) mehrte sich rasch und empfand 
namentlich mit Befriedigung die früher dort unbekannte Gleichbe 
rechtigung der Protestanten und Katholiken. So gewöhnte man sich 
bald an das neue Regiment und fühlte sich wohl dabei. 
Aber Maria Theresia konnte den Verlust Schlesiens nicht 
verschmerzen. Von ihrem ehrgeizigen Minister, Fürst Kaunitz, 
geleitet, der, ein Nachkomme einer oft friesis ch en Fürstentochter, 
kn seiner Hoffnung auf Ostfriesland durch Friedrichs Besitzer 
greifung getäuscht war, warb sie im geheimen Bundesgenossen für 
ihre Pläne, Schlesien zurück zu gewinnen und Friedrich zu demütigen. 
Elisabeth, Kaiserin von Rußland, die lasterhafte Tochter Peters 
ves Großen, über die sich Friedrich oft in schonungslosem Spott 
geäußert, sowie der leichtfertige Ludwig XV. von Frankreich, 
aufgestachelt durch seine gleichfalls von Friedrich beleidigte Buhlerin, 
vie Marquise von Pompadour, und endlich der Kurfürst von 
Sachsen, dessen geckenhaften und verschwenderischen Minister, Graf 
Brühl, Friedrich ebenfalls nicht mit seinen beißenden Spottreden 
verschont hatte: sie alle führten in Dresden geheime Verhand- 
Böc, Deutsche Geschichte. 16
	        
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