Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

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240 HI- Die neue Zeit. F. Das Zeitalter Friedrichs des Großen. 
zu fügen, heiratete jetzt die für ihn bestimmte Prinzessin Elisabeth 
von Braunschweig-Bevern, eine Nichte der Kaiserin. Der 
König schenkte dem jungen Paare das Lustschloß Rheinsberg bei 
Ruppin, und hier verlebte Friedrich glückliche Tage im Kreise 
geistreicher Männer unter ernsten Studien und heiterem Verkehr, 
bis ihn der Tod seines Vaters, der sich noch auf dem Sterbebette j 
über seinen „würdigen Sohn" freute, auf den Thron berief. 
8. Die schlelil'chen Kriege. 
In demselben Jahre, in welchem Friedrich den Thron bestieg, 
starb Kaiser Karl VI., und auf Grund der pragmatischen Sank 
tion folgte ihm in der Regierung der österreichischen Erbländer seine 
Tochter Maria Theresia, die Gemahlin des Herzogs Franz von 
Toskana. Jetzt hielt Friedrich die Zeit für gekommen, seine An 
sprüche auf Schlesien (s. S. 221) geltend zu machen; er besetzte 
einstweilen dieses Land, nachdem er in der Stille sein Heer a.uf 100 000 
Mann vermehrt hatte, und begann damit den ersten schlesische» 
Krieg (1740—1742). Aber auch von anderer Seite wurde Maria 
Theresia bedrängt. Der Kurfürst Karl Albrecht von Bayern 
verlangte als nächster männlicher Erbe der Habsburger die öster 
reichische Monarchie und wurde von Sachsen, Frankreich und 
Spanien unterstützt. Er begann daher gleichzeitig mit dem schle 
sischen Krieg den österreichischen Erbfolg ekrieg (1740—1746), 
indem er Oberösterreich und Böhmen besetzte und sich in Prag 
huldigen ließ. In dieser Not bot Friedrich Maria Theresia seine Hilfe 
an, wenn sie seine Rechte auf Schlesien anerkennen wolle. Die mutige 
Kaiserstochter jedoch wies sein Anerbieten höhnisch ab und ließ ein 
Heer unter Neipperg in Schlesien einrücken, das Friedrich nament 
lich durch das Feldherrntalent des Feldmarschalls Schwerin bei 
Mollwitz 1741 vollständig besiegte, worauf er ganz Schlesien er 
oberte. Im folgenden Jahre rückte ein neues österreichisches Heer 
unter Karl von Lothringen durch Böhmen heran. Friedrich 
zog ihm entgegen und besiegte ihn bei Chotusitz und CzaslU» 
(17 4 2), worauf Maria Theresia im Frieden von Breslau Schle 
sien an Preußen überließ. 
Inzwischen hatte der Kurfürst von Bayern in Frankfurt 
als Kurl VII. (1742—1745) die deutsche Kaiserkrone empfangen. 
Gegen ihn wandte sich jetzt Maria Theresia mit Unterstützung der 
Ungarn. Ihre Heere vertrieben die Bayern und Sachsen aus 
Böhmen, rückten in München ein und trieben den Kaiser in die 
Flucht. 
Dieser Verlauf des Krieges beunruhigte Friedrich, weil er be 
fürchten mußte, daß nach weiterem siegreichen Vordringen der Äster-
	        

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