Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

238 HI- Die neue Zeit. F. Das Zeitalter Friedrichs des Großen. 
Maria Theresia, der Tochter des Kaisers Karl VI., erhielt 
Toskana. Österreich hatte in diesen Länderschacher hauptsächlich 
gewilligt, um die Zustimmung zu der pragmatischen Sanktion 
zu erhalten, eines Hausgesetzes, nach welchem gegen die bisherige 
Sitte die habsburgischen Länder in Ermangelung männlicher Erben 
auch auf die weibliche Linie übergehen sollten. 
F. Das Zeitalter Friedrichs des Großen. 
1. Friedrichs des Großen Jugend. 
Friedrich II. (1740—1786) der Grosze, der Sohn Friedrich 
Wilhelms I., war am 24. Januar 1712 zu Berlin geboren. Seine 
Mutter, Sophia Dorothea, war die Schwester des Königs 
Georg II. von England. Frau von Roucoulles, welche 
schon die Erzieherin seines Vaters gewesen war, übernahm dieses 
Amt auch bei dem jungen Kronprinzen. Im siebenten Jahre erhielt 
er als Hofmeister den General von Finken st ein und den Oberst 
von Kalkstein, und als Lehrer den hochgebildeten, für Kunst 
und Wissenschaft begeisterten Franzosen Duhan. Namentlich durch 
den letzteren gewann der Prinz eine große Vorliebe für französische 
Sprache, für Dichtkunst und Musik und kam so schon frühzeitig in 
Gegensatz zu seinem Vater. Während dieser besonders die Liebe 
zum Soldatenstande in seinem Sohne wachzurufen suchte und ihn 
schon als Knaben in das Heer eintreten ließ, liebte Friedrich es, 
die enge Uniform auszuziehen, Verse zu machen und die Flöte zn 
blasen, worin ihn der berühmte Quanz insgeheim unterrichtete. Des 
Vaters Lieblingsneigungen, die Jagd und das Tabakskollegium, 
verspottete er als roh und geriet dadurch in ein solches Mißverhält 
nis zu demselben, daß dieser ihn einen „Querpfeifer" und „Poeten" 
nannte, der ihm seine ganze Arbeit verderben würde. Ja der Vater 
strafte den 18 jährigen Sohn sogar in seiner Aufregung mit Schlä 
gen und äußerte dabei: „Wenn mich mein Vater so behandelt hätte, 
ich wäre längst davon gelaufen." 
Als Friedrich endlich gegen seinen Willen und seine Neigung 
sich verheiraten sollte, da entschloß er sich wirklich, zu seinem Vetter 
nach England zu entfliehen. Von seinem Vorhaben wußten nur 
außer seiner Mutter und ältesten Schwester die Lieutenants von 
Keith in Wesel und von Katte in Berlin. Die Gelegenheit zur 
Flucht sollte ihm eine Reise des Königs nach Süddeutschlaud, die 
er mitmachen mußte, darbieten. Von Steinfurth aus wollte der 
Prinz in der Nacht entfliehen, während seine Freunde ihn im Hag 
erwarten sollten. Aber als Friedrich bei Tagesanbruch das Pferd 
besteigen wollte, wurde er, da sein Entschluß schon verraten war,
	        
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